Alles bio oder was?

Neue Leute haben wir kennengelernt…

Ludger und Nadja sind schon 20 Jahre verheiratet und wie das manchmal in solchen Ehen ist, man hat sich sehr aneinander gewöhnt. Viel Aufregendes erleben die beiden nicht mehr miteinander, aber man will auch nicht voneinander lassen, wie gesagt: man hat sich eben aneinander gewöhnt. So ist das auch mit den vielen kleinen Eigenarten, die jeder von beiden so im Laufe der Jahre entwickelt hat. Ständig benörgelt von der übersauberen Schwiegermutter, hat sich Nadja zu einer Dauerputze entwickelt, die ihre Wohnung sauber hält, wie ein putzsüchtiges japanisches Schwalbenweibchen.
Ludger geht arbeiten. Mehr tut er nicht. Er geht arbeiten, kommt spät nach Hause und schläft dann auf der Couch ein. Ach so, eins macht er doch: Er ernährt sich neuerdings vollwertig.
Ludger findet, er sei jetzt in einem Alter, da müsse man auf seine Gesundheit achten und deshalb ißt er nur noch Sachen, auf denen BIO draufsteht und die zumindest LIGHT sind oder irgendetwas mit WELLNESS auf der Packung stehen haben, FIT und GESUND geht auch. Nadja meint: „Hauptsache der Krempel ist teuer und schmeckt nicht!“

Die beiden haben auch noch einen Sohn, doch dieser Holger ist weder erwähnens- noch liebenswert und spielt hier im weiteren Verlauf der Geschichte nur die Rolle des dritten Essers, für mehr taugt er nicht.
Da essen also drei Leute und Nadja ist diejenige, die die Sachen einkaufen muß. Das Kochen übernimmt sie während der Woche und am Wochenende kocht Ludger. Das heißt: Ludger ißt grundsätzlich nur Sachen, die er selbst gekocht hat. Insofern tut er neben Arbeiten und Couchliegen doch noch was, nämlich für sich kochen.

Ja und dafür benötigt er die teuren Bioprodukte, die nach Nadjas Aussage weder schmecken, noch was taugen und in erster Linie nur „scheiße aussehen und teuer sind“.
Was also tut Nadja, die ja für den Einkauf zuständig ist? Sie kauft den ganzen Krempel bei LIDL und ALDI und zwar keineswegs LIGHT-, BIO- oder WELLNESS-Produkte, sondern den ganz normalen Discounter-Krempel. Dann legt sie zum Beispiel die Tomaten und Paprikaschoten auf dem Balkon in die Sonne oder in ein Körbchen im dunklen Küchenschrank und wenn alles ein wenig verschrumpelt aussieht, stellt sie es Ludger als Bio-Ware hin; der freut sich und blüht ob der hohen Qualität seiner Nahrung förmlich auf.

Nadja kauft auch nur das billigste Öl, füllt es dann in teure Flaschen um, rollt die 89-Cent-Butter von ALDI zu einem unförmigen Klumpen und erklärt Ludger, das sei handgeformte Bauernbutter aus dem Hofladen. „Das schmeckt man aber auch!“ meint Ludger und nimmt sich eine Scheibe Gesundheitsbrot. Das backt Nadja neuerdings selbst, in einem Brotbackautomaten. „Da tu ich eine 49-Cent Brotmischung rein, eine Handvoll Vogelfutter und das schmeckt meinem Ludger. Wir essen ja nur Toastbrot, also der Junge und ich.“

„Wenn ich Käse kaufe, lasse ich den einfach zwei Tage ohne Packung liegen, bis die Scheiben ihre Ränder nach oben biegen und schon schmeckt das nach BIO. Das Wichtigste an der biologischen Ernährung ist doch, daß es scheiße aussieht, komisch schmeckt und daß man dran glaubt. Was da wirklich drin ist und was das kostet, das ist doch im Grunde egal. Meinem Ludger geht es jedenfalls glänzend seit er sich biologisch ernährt“, sagt Nadja und schmiert eine 49-Cent-Kalbsleberwurst in ein leeres Schraubglas vom Bio-Hofladen.

5 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Schön geschrieben. Wir lachen immer noch. So ähnlich geht es auch bei Freunden zu, nur ist dort die Frau auf dem Biotrip. Sie hat keinen Führerschein und wird von ihrem Mann ähnlich „verköstigt“, da er ja alle Sachen kaufen muss. Angeblich lagert er die Sachen auf seiner Arbeit „bioreif“ ab.

  2. Igitt! Ich bezog, als ich meinen Sohn stillte, Bioprodukte im Bioversandhandel von einem Lieferanten hier aus der Nähe. Ich habe nur ein Mal unperfekte Qualität erlebt und mich beschwert. Ansonsten habe ich beispielsweise für den Vorratsbrei die Möhrenwürfel von Bofrost später genommen. Ich habe denen auch vom Versand vorher gesagt, sie sollen mir keine Schrumpelware oder so liefern. Ich bin blind und will mich nicht vergiften, falls ich eine schlechte Stelle übersehe. Deshalb nehme ich ja auch so gern Bofrost Gemüse, Bellinis und andere Produkte. Ich spare das Geschneide und oft ist die Ware frischer, als ewig rumliegende im Supermarkt. Das ist so toll! Aus dem Audiokatalog habe ich mir meine Lieblingsprodukte rausgeschrieben, suche sie in der Textverarbeitung, klatsche sie nacheinander in die Direktbestellung. Fünf Minuten, 59 Euro, morgen ist der Tiefkühlschrank wieder voll. Und es geht nix über die Zucchinipfanne mit durchpassierten Tomaten plus Tomatenmark und vielen Kräutern mit Nudeln dazu! Wenn da die Soße 1 Tag gezogen hat, brauch ich kein Restaurant mehr! Also, wer heute noch denkt, Bio muss schlimm aussehen, der ist mit der Gurke geschlagen worden. Grüßle, Schwedenlady

  3. @Werners Frau:

    Schön geschrieben. Wir lachen immer noch. So ähnlich geht es auch bei Freunden zu, nur ist dort die Frau auf dem Biotrip. Sie hat keinen Führerschein und wird von ihrem Mann ähnlich „verköstigt“, da er ja alle Sachen kaufen muss. Angeblich lagert er die Sachen auf seiner Arbeit „bioreif“ ab.

    Jetzt bist du mir sympathisch.

  4. Was seid ihr doch für Kleinbürger in Doofland… Bio oder besser Demeter bringt, wenn man nicht grade Discounter ‚Bio‘ nimmt, etwas ganzheitliches auf den Tisch.

    Aber esst nur weiter euren Fabrikmüll, voller Pestizide, Giftstoffe, Zucker etc! Ihr erfüllt nur eure Rolle als dumme Masse, welche mit Billigmüll kurzfristig abgefüllt, krank gemacht, und dann mit 60 ausgeloescht wird!

  5. Soviel ich weiß, erfüllen die meisten Bofrostprodukte locker die Bio-Norm.
    Mir scheint, Du hast wenig Ahnung von der Materie, sondern willst nur mal schnell eine zackige Meldung im Web absetzen.

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