Bittere Fledermausohren

Bei Frau Hetzler bekomme ich immer einen Tee.
Nein, ich möchte diesen Tee eigentlich nicht, aber Frau Hetzler meint, ich würde sonst krank und müsse quasi auf der Stelle tot umfallen, wenn ich ihren Gesundheitstee nicht jedes Mal trinke.

„Paperlapap, der ist gesund, da dulde ich keinen Widerspruch, den hat mein Egon schon getrunken, dem hat der auch nicht geschadet, Gott hab ihn seelig und jetzt trinken Sie ihn, alt ist er ja nicht geworden mein Egon, aber den Tee hat er immer getrunken.“

Da duldet die alte Dame wirklich keinen Widerspruch, sonst kauft sie nichts. Da ist sie störrisch wie eine Eselin.
Trinken oder kein Geschäft.

Aber das allein ist es nicht. Ihr liegt ja richtig etwas daran und außer mir und dem Zeitungsmann kommt überhaupt niemand zu ihr. Ich kenne das von alten Leuten, die wollen dann auch etwas Ansprache und die wollen sich dann auch ein bißchen um einen kümmern dürfen.
Ihr ganzes Leben haben sie jemanden versorgt und nun sind sie ganz auf sich gestellt und niemand braucht sie mehr. Es ist also nicht reiner Geschäftssinn, der mich treibt, sondern auch das Verständnis für die alte Frau.


Und sie kauft immer ordentlich ein, da beiße ich dann auch mal in den sauren Apfel trinke ich auch mal einen etwas bitteren Tee.

„Was ist denn da eigentlich drin?“ frage ich sie eines Tages.

Sie sagt: „Eidechsenfüße und Fledermausohren, verquirlt mit Katzenhaaren!“

Dann lacht sie und schüttelt sich: „Nein, seien Sie ganz beruhigt, das sind alles ganz gesunde Sachen. Salbei, Kräuter, Wermut. Etwas bitter, aber sehr gesund.“

Man kann es glauben oder nicht, seitdem sie das mit den Füßen, Ohren und Haaren gesagt hat, habe ich ein noch komischeres Gefühl, wenn ich den Tee trinke und ich meine sogar, daß er seitdem noch etwas bitterer geworden ist.

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. @Erne:

    Wenn dir große Ohren wachsen war es Elefantentee 🙂

    Darauf erhebe ich mein Glas. Prost!

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