Bofrost läßt Dich nicht im Regen stehen

Ich komme gestern in einer anderen Stadt mit meinem PKW in eine Wohnsiedlung. An einer Baustellenampel muß ich länger warten. Brav mache ich den Motor aus und suche im Radio einen Sender, auf dem mal kein deutscher Bub seine Sehnsucht in den Äther schluchzt. In meinen Kreisen nennen wir dieses Gejammer „bendzkojen„.
Und während ich so warte und suche, schaue ich auf eine Haustüre, vor der ein Fahrzeug eines Heimlieferanten steht. Den Namen will ich jetzt mal nicht nennen. Der Verkäufer beliefert eine Kundin. Das heißt, er befindet sich offensichtlich noch im Verkaufsgespräch oder bei der Bestellaufnahme.
Die Kundin steht in der Haustüre, zittert, hat Ihre Arme und dem Oberkörper gelegt und ab und zu wischt sie sich ein paar von den mager fallenden Schneeflocken aus dem Gesicht.

Von meiner Position aus kann ich sehen, daß sich hinter der Haustüre auch nicht sofort die Diele befindet, sondern daß das eher eine Hoftüre ist, man kann bis hinten in den Hof schauen. Es zieht und der Frau ist es ungemütlich. Ein paar Mal scheint sie den Verkäufer ins Haus zu bitten, jedenfalls macht sie entsprechende Handbewegungen. Er winkt ab und deutet auf seinen Lieferwagen, der etwas ungünstig in zweiter Reihe steht.

Die Situation ist klar, der Verkäufer möchte sein ungünstig geparktes Auto nicht aus den Augen lassen.
Die Folge: Die Kundin steht in Durchzug, Kälte und Nässe.

Am liebsten wäre ich ausgestiegen und hätte dem Mann erklärt, wie wir bei Bofrost das machen.

Ich schicke gleich voraus, daß wir uns niemals in die Wohnung drängen. Die Privatsphäre der Kunden ist uns heilig. Wer seinen Bofrostmann nicht ins Haus lassen möchte, muß das auch nicht.
Aber die allermeisten haben nichts dagegen.
Und deshalb gehe ich so vor:

Wenn es zieht, kalt ist oder regnet, tue ich alles, damit die Kundin oder der Kunde nicht diesen Ungemütlichkeiten ausgesetzt ist.
Ein Kunde, der sich unwohl fühlt, kauft auch nicht gerne ein. Er wird versuchen, alles so schnell wie möglich abzuwickeln, im Zweifelsfall kauf er gar nichts.

Deshalb sage ich beispielsweise: „Wollen wir nicht einen Schritt hineingehen, da ist es doch gemütlicher?“

Wenn ich die Bestellung entgegengenommen habe, sage ich: „Sie können drinnen in der warmen Küche warten, ich klingele dann nochmal. oder darf ich die Tür einen Spalt aufstehen lassen. Dann komme ich herein, wenn ich alles habe.“

Das wird von den Kunden immer gerne angenommen. Denn es dauert ja trotz aller Schnelligkeit eine kleine Weile, bis ich alles zusammengesucht und gerichtet habe.

Ich bin ja sowieso der Meinung, am besten verkauft man auf der Eckbank in der Küche am Küchentisch und nicht an der Haustür zwischen Tür und Angel.
Es mag etwas aufwendiger sein, immer mit reinzugehen und Platz zu nehmen, aber vor allem die ältere Kundschaft freut sich auch über den kurzen Besuch.
Eine ältere Dame sagte mir einmal: „Wenn Sie sich nicht hinsetzen und wenigstens 5 Minuten bleiben, ist das keine Abwechslung für mich.“
Das habe ich jedes Mal im Hinterkopf, wenn ich zu älteren Leute komme.
Und das sage ich den Senioren auch: „Hallo Frau Soundso, heute komme ich mal wieder zu Ihnen zu Besuch.“

Aber egal, wie man es macht, man läßt seine Kunden nicht im Regen oder Schnee stehen.

5 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. „Am liebsten wäre ich ausgestiegen und hätte dem Mann erklärt, wie wir bei Bofrost das machen.“

    Du hättest mal aussteigen sollen, der Frau eine DECKE umlegen! So macht man das! Nicht immer nur Geschäft, Geschäft. Auch mal Nächstenliebe, auch mal HANDELN, nicht immer nur meckern.

  2. Ja, da hast Du recht, aber ich hatte keine Decke dabei und außerdem stand ich ja an dieser Baustellenampel. Zwischen mir und der Szene befand sich so ein weiß-roter Baustellenzaun aus Plastik. Wäre leider nicht gegangen. Aber ansonsten bin ich ein sehr großer Deckenüberwerfer, ehrlich!

  3. hast du keine Rettungsdecke im Auto? Die Dinger sollen wärmen wie Bolle.

  4. Doch, ich habe eine Rettungsdecke. Aber es war ja niemand zum Retten da. Außerdem wäre die frierende Frau für mich nicht zu erreichen gewesen.

  5. Ihr Kerle glaubt immer wir wären unerreichbar für euch. Ihr müsst einfach mal Mut haben und uns ansprechen! Du ahnst ja gar nicht wie viele hübsche Mädels nur darauf warten endlich mal angesprochen zu werden.

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