Da krieg ich so eine Krawatte!

Immer wieder stoße ich auf Zeitungs- und Onlinemeldungen in denen über die Qualität von Tiefkühlkost geschwafelt wird.

Da schreibt jetzt ein Onlineportal Binsenunwahrheiten, die hanebüchener kaum sein können:

Die Wahrheit über Tiefkühlkost
Tiefkühlkost kann durch das schnelle Konservieren der Vitamine gesünder sein als frische Lebensmittel. Doch das ist nicht immer der Fall.
Egal ob schockgefrostet oder erneut eingefroren – Tiefkühlkost muss nicht immer gesünder sein als frische Lebensmittel. Die vorherige Reinigung und die Kühlkette spielen hier eine entscheidende Rolle. Tiefkühlkost (wird) direkt nach der Ernte schockgefrostet und anschließend tiefgefroren in die Geschäfte transportiert. Dadurch bleiben die meisten Vitamine enthalten und auch der Geschmack wird kaum beeinträchtigt. Schockgefrostet bedeutet, dass das Gemüse bei Temperaturen von etwa 40 Grad unter dem Nullpunkt innerhalb weniger Sekunden gefriert. Gesünder ist Tiefkühlkost dennoch nicht zwangsläufig, weil Bakterien oder Viren häufig nicht abgetötet werden. Wurden die Lebensmittel vorher nicht gereinigt, dann bleiben Keime auf dem tiefgefrorenen Gemüse oder Fleisch in einer Art Schockstarre. Nach dem Auftauen können sich die Viren und Bakterien stark vermehren und so zu Durchfallerkrankungen und Ähnlichem führen.
Gefährliche Keime werden erst bei hohen Kochtemperaturen abgetötet. Wenn Sie gekochtes Essen einfrieren und später auftauen, ist die Gefahr weitaus geringer.

(Quelle: impuls24)

Das klingt so auf den ersten Blick und beim schnellen Durchlesen auch völlig logisch und scheint richtig zu sein. Wenn man jedoch einmal den gesunden Menschenverstand einschaltet, dann kommt man schnell dahinter, wo da der logische Pferdefuß im Mist begraben liegt:

Ich frage Sie, liebe Leser: Welches Tiefkühlprodukt essen Sie gefroren oder direkt nach dem Auftauen ohne es zu erhitzen? Bei Bofrost, wo ja Hygiene, Sauberkeit und eine ununterbrochene Kühlkette sowieso oberstes Gebot sind, fallen mir da beispielsweise sofort der griechische Bauernsalat und unser Eis ein. Der Salat, im Sommer ein Renner, ist aber bereits zubereitet, d.h. gewaschen, geputzt und angemacht. Hier gibt es also keine Möglichkeiten der Belastung mit Viren und Bakterien. Ja und unser Eis kommt nun mal eben nicht vom Feld, muß nicht gedüngt werden und ist auch sonst keinen Einflüssen der freien Natur ausgesetzt, denn es wird in sehr sauberen Eisfabriken hergestellt.

Bleiben Möhren, Erbsen und Pommes & Co.
Und diese Sachen bereitet man ja sowieso in der überwiegenden Zahl der Fälle zu.
Aber selbst wenn man Babymöhrchen, die geliebten Zwiebelwürfel oder Erbsen roh zu einem Salat hinzugibt und nur auftauen läßt, kann man bei bofrost* hundertprozentig sicher sein, daß da keine Verunreinigung vorliegen kann.

Der ganze Artikel ist in meinen Augen eher in den Bereich Panikmache oder „Menschen zur Übervorsicht erziehen“ einzuordnen.
Kaum eine Industrie ist so auf Hygiene und die Einhaltung der Kühlkette bedacht, wie die Tiefkühlindustrie. Ganz ehrlich: Frisch hin, frisch her, ich fühle mich bei Konserven und TK-Produkten wegen der Hygiene wesentlich besser aufgehoben, als bei gespritztem und evtl. mit Gülle gedüngtem Frischzeug, das schon tagelang beim Bauern, auf dem Großmarkt und dann beim Händler herumgegammelt hat. Wie frisch ein Produkt wirklich ist, das sieht man doch heute gar nicht mehr. Früher wurde Obst und Gemüse nach ein paar Tagen matschig, faulig und feucht. Und heute? Da kann man einen Eisbergsalat mal hinter dem Gurkenglas im Kühlschrank vergessen und nach 14 Tagen sieht der noch immer aus wie gestern geerntet.
Oder Obst! Meine Tochter hat sich mal ein ganzes Sortiment Frischobst aus dem Supermarkt mitgenommen und dann in ihrem Zimmer in einen Obstkorb gelegt. Mit der Lust, jetzt nur noch Obst zu essen, um schlank wie ein Faden zu werden, war es dann schnell vorbei. Das Obst lag also da in dem Korb und nur die Bananen wurden braun und dann entsorgt und die Äpfel und Orangen sahen über Wochen so aus, als seien sie frisch vom Obststand.
Das ist heute ein Qualitätskriterium, daß Obst und Gemüse nicht nur auf schöne Optik optimiert wurde, sondern auch auf lange Lagerbarkeit. Was dann aber noch an Vitaminen übrig ist, das steht auf einem anderen Blatt.

Übrigens: Ich werde immer schon stutzig, wenn Journalisten das Wort „Keime“ verwenden. Auch wenn das Wort „Keime“ oft verwendet wird, um einen praktischen Begriff statt Bakterien, Viren und Pilze zu verwenden, so ist das Wort im eigentlichen Sinne falsch.
Krankheitserreger können Bakterien, Protisten, Pilze, Parasiten, Viroide, Viren, Algen oder Prionen sein. Keime kommen aus Kartoffeln heraus, wenn sie zu lange liegen oder aus Samenkörnern, die man in die Erde steckt.
Trotzdem hat sich das Wort „Keime“ als Synonym für alle möglichen Krankheitserreger in unserer Sprache schon fast verankert.

Die lieben Viren und Bakterien sind nämlich zunächst einfach nur sehr kleine Lebewesen. Bakterien sind meist Einzeller, die einen eigenen Stoffwechsel haben und Viren nicht-zelluläre Lebewesen ohne einen solchen Stoffwechsel.
Deshalb sind Viren auf den Stoffwechsel des befallenen „Wirts“ angewiesen. Viren sind deshalb also per se Parasiten. Aber beide „keimen“ nicht.

Bakterien hingegen kommen sehr oft eigenständig vor und sind aus diesem Grund auch nicht pauschal Krankheitserreger. Recht viele Bakterien sind zum Funktionieren unseres Körpers (z.B. in der Darmflora) sogar unbedingt notwendig.
Im Artikel „Krankheitserreger“ in der Wikipedia kommt auch deshalb das Wort „Keime“ gar nicht vor.
http://de.wikipedia.org/wiki/Krankheitserreger

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Also, entgegen meinem Spitznamen kann ich den verlinkten Artikel auch nicht ernst nehmen. So eine Vermengung von Halb- und Unwahrheiten hat doch nix in einem ernsthaften Vergleichsportal verloren, oder?
    P.

  2. @Putzteufel:

    Also, entgegen meinem Spitznamen kann ich den verlinkten Artikel auch nicht ernst nehmen. So eine Vermengung von Halb- und Unwahrheiten hat doch nix in einem ernsthaften Vergleichsportal verloren, oder?
    P.

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