Der ruhende Verkehr

Ich komme heute Mittag in die Schwanenstraße, um drei Kundenbesuche zu machen.
Dort parke ich erst ganz kurz in zweiter Reihe, weil ich sehe, dass weiter vorne gleich was frei wird.

Zwei Hilfspolizisten pirschen sich von Südsüdost heran. Ich sehe im Spiegel, dass der eine den anderen antippt und auf meinen Wagen deutet.
Der grinst und zückt schon seinen Strafzettelcomputer.
Klar, in zweiter Reihe darf ich nicht halten oder parken.

Aber….

Diese Hilfspolizisten tragen zwar auch dunkelblaue Uniformen, wie richtige Polizisten, aber sie sind keine richtige Polizei.
In diesem Fall gehören sie zum Ordnungsamt, und das steht auch hinten auf ihren Jacken drauf.

Und solche Ordnungshüter sind für den ruhenden Verkehr zuständig.

Wikipedia weiß dazu:

Als ruhender Verkehr werden geparkte, haltende und nicht fahrbereite Fahrzeuge im öffentlichen Straßenverkehr bezeichnet. Das Gegenteil ist der fließende Verkehr. Im Polizeiwesen dürfen Hilfspolizisten nur den ruhenden Verkehr überwachen, nicht jedoch den fließenden Verkehr.

Okay, ich will nicht unfair sein. Also kurbele ich die Scheibe runter und rufe dem einen zu: „Ich fahr sofort weg!“

Das interessiert ihn nicht, er will unbedingt einen Strafzettel tippen.

Also entschließe ich mich, ab sofort nicht mehr zum ruhenden Verkehr zu gehören und fahre ganz langsam weiter. Gaaaaaanz langsam…
Was soll ich machen? Die Frau da vorne kriegt den Schlüssel nicht ins Schlüsselloch und es wird noch 3 Minuten dauern, bis die endlich wegfährt.
Ich muß aber da parken, sonst ist nichts frei.
Würde ich nochmals um den Block fahren, stellt sich bestimmt ein anderer in Wartestellung oder in die freie Lücke.

Der Hilfspolizist hält inne. Ihm ist offenbar auch klar, dass er gegen ein fahrendes Auto nichts machen kann. Ich behindere da niemanden. Es ist sowieso 30-er-Zone…

Langsam marschieren die beiden neben meinem Bofrost-Laster her, sie grinsen. Ihre Gesichter sage: „Wehe, wenn Du anhältst!“

Doch ich halte nicht. Ich schaffe es tatsächlich, so langsam zu fahren, dass die Mutti endlich aus ihrer Parklücke fahren kann und ich mich dort hinstellen kann.

Wie ich aussteige, sind die beiden Verkehrshüter auch da. „Nochmal Glück gehabt!“, knurrt der eine, der andere grinst nur.

„Moin, Moin, die Herren! Lust auf ein leckeres Eis?“, sage ich und drücke jedem ein Marbesa-Eis in die Hand. Sprachlosigkeit! Nee, ehrlich, die beiden haben sich richtig gefreut.

Jetzt frage ich mich, ob das schon Bestechung war?

Lies bitte vor dem Kommentieren meine Kommentar-Spielregeln.

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