Deti hilft mit

Ich sage es ganz offen: Ich halte Putzi für eine überkandidelte Öko-Tante.
Und ihr Mann Deti ist ihr willfähriger Gehilfe, wenn es darum geht, blöd zu sein.

Während mir Putzi aber als Angestellte im REHA-Zentrum auf irgendeine Weise hilft, geht mir Deti fürchterlich auf den Senkel.

Das fängt beispielsweise damit an, dass Deti sich selbst zu meinem persönlichen Fahrdienstleister auserkoren hat.

„Du kannst ja nicht Auto fahren, also fahre ich Dich.“

„Quatsch, lass das mal, ist schon gut, ich habe einen Taxischein vom Arzt und kann locker Taxi fahren.“

„Nein, das kommt ja gar nicht in Frage. Wir sind doch eine Familie und da wäscht eine Hand die andere.“

„Genau das meine ich ja.“

„Wie jetzt?“

„Ich habe Angst davor, was es bedeuten könnte, Dir mal die Hände zu waschen, also Dir einen Gefallen zu tun.“

„Ach was, mach Dir darüber keine Gedanken. Vielleicht bin ich eines Tages mal pflegebedürftig und dann kannst Du mich versorgen.“

„Was?!!!“

Vor meinem geistigen Auge sehe ich Deti als sabbernden, verwirrten Greis in einem Pflegebett liegen und ich muss ihn füttern und mir zwölfmal täglich die Frage gefallen lassen: ‚Und wer sind Sie jetzt wieder?‘

Aber dann fällt mir ein, dass ich ja deutlich älter als Deti bin und wohl kaum als 89jähriger noch in den Verdacht geraten werden, Deti pflegen zu müssen.

So stand Deit gleich am nächsten Tag mit seinem Auto vor unserem Haus.
Es ist so ein Hasenkastenauto. Irgendein FIAT oder sowas Schlimmes. Ein Kleinwagen mit komischem Kastenaufbau hinten.
Beschriftet ist der Wagen mit dem Aufdruck irgendeiner Stahlwarenhandlung. Diese hat den Wagen wohl weil er schrottreif war ausgesondert, und Deti hat ihn für 200 Euro gekauft.

Wie er den über den TÜV gebracht hat… … weiß der Geier!

Die Kupplung funktioniert, aber die Gänge bleiben nicht drin. Immer wieder springt der eingelegte Gang raus und das Auto ruckt, der Motor dreht hoch und Deti rührt mit dem Schaltknüppel wie wild herum.
Nach gefühlten 2-3 Minuten knarrt und raunzt es gefährlich aus dem Getriebe und Deti hat irgendeinen Gang eingelegt.

„Mach Dir keine Sorgen, das ist nur bei den unteren Gängen so. Der Vierte und der Rückwärtsgang funktionieren tadellos.“

Klasse! In der Stadt kommen wir sowieso nie in den 4. Gang…

So schaukelt mich Deti, wild im Getriebe rührend, jeden Morgen zur REHA und holt mich auch am Nachmittag brav wieder ab.

Und das Abholen hat es in sich. Denn Deti muss „NUR MAL EBEN EIN PAAR BESORGUNGEN MACHEN, JETZT WO WIR SOWIESO IN DER NÄHE SIND.“

In der Nähe, das bedeutet durchaus schonmal, dass er noch 70 Kilometer fährt, um einen bei Ebay ersteigerten Gummistiefel abzuholen.

„Was, um Himmels Willen, willst Du mit einem Gummistiefel? Die benutzt man paarweise!“, sage ich.

„Ja, das weiß ich auch. Aber ich hatte ein Paar Gummistiefel und der Rechte ist kaputtgegangen. Ganz aufgerissen an der Seite. Was soll ich mir dann zwei neue kaufen? Der Linke ist ja noch gut. Was meinst Du, wie lange ich gesucht habe, bis ich bei den Ebay-Kleinanzeigen jemand gefunden habe, der ausgerechnet einen Rechten in meiner Größe verkauft!“

Also ehrlich, ich will auch das nicht verstehen. Nein, ich will nicht!!!

1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

Lies bitte vor dem Kommentieren meine Kommentar-Spielregeln.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.