Deti hilft noch mehr

Gestern hat Deti angefangen, mir bei meiner Gesundung zu helfen.
Ich lehnte rundheraus ab: „Nee, lass mal, ich komme gerade von der REHA und bin fix und fertig. Erst Massage, dann Physiotherapie und danach noch Medizinball-Gymnastik. Ich kann nicht mehr.“

„Das ist ja auch alles gut für Deinen Körper. Aber um Deine Seele kümmert sich niemand.“

„Ich bin getauft.“

„Was?“

„Nix.“

„Also, ich habe mir da was überlegt, was Dir helfen könnte. Du bist ja geistig ganz runter.“

„Lass mal, wirklich nicht, nee… Außerdem hat mir Deine Frau heute schon einen Tinnitus mit ihren Klangschalen eingepflanzt.“

„Siehst Du, da haben wir’s! Du brauchst Ohrpfeifen und Ohrkerzen.“

„Was ist das denn für ein Scheiß?“

„Ja, ja, Du kennst es nicht, aber Du verurteilst es gleich. Lass mich doch erst mal machen. Überzeuge Dich doch erstmal davon. Du bist so ein Ignorant!“

Also gut, ein Ignorant wollte ich nicht sein. Deti hatte extra in einem Schamanenladen Ohrkerzen gekauft. Das sind zigarrenförmige, etwa 1 cm dicke Stangen, die er mir in die Ohren steckt. Dann will er sie anzünden.

„Spinnst Du? Wenn die Lunte abgebrannt ist, explodiert mein Gehirn!“

„Da explodiert gar nichts! Du musst nur ganz tief ein- und ausatmen“, sagt Edit und zündet die Dinger an.
„Und, spürst Du schon was?“

„Nee.“

„Du musst auch ganz ruhig und gelassen ein- und ausatmen.“

„Mach ich doch! Sonst würde ich doch ersticken.“

„Mit den Ohren!“

„Was???“

„Mit den Ohren sollst Du atmen!“

„Ich habe noch nie mit den Ohren geatmet, ich glaube, das geht gar nicht.“

„Natürlich geht das! Du musst es nur wollen.“

20 Minuten sitze ich so da und atme vor mich hin. Neben meinem Kopf verdunsten die Stinkstäbe zu einem Duft nach brennender Ziegenscheiße.
„Wie lange muss ich noch?“

„Kommt darauf an, ob Du schon was spürst.“

„Au ja, ich spür ganz doll was!“

„Prima, dann kommen jetzt nach den Ohrkerzen die Ohrpfeifen dran.“

„Jetzt langt’s aber.“

„Willst Du gesund werden?“

„Ja schon, aber…“

Zack und schon rupft mir Deti die Ohrkerzen aus dem Gehörgang und steckt mir andere grüne Stangen in die Ohren.
„Jetzt kräftig pusten!“

Ich blase die Wangen auf und puste.

„Nee, doch nicht mit dem Mund, Du musst das mit den Ohren machen. So wie Du durch die Ohren ein- und ausgeatmet hast, musst Du jetzt pusten. Dann pfeifen die Ohrpfeifen etwas und das ist dann ein gutes Zeichen.“

„Ich kann nicht mit den Ohren pusten.“

„Dann hast Du auch nicht mit den Ohren ein und ausgeatmet. Dann wiederholen wir die Prozedur von vorn.“

„Nee, das mit dem Ohrenatmen hat ja ganz gut geklappt.“

„Dann streng Dich etwas an, damit es auch mit dem Pfeifen klappt. Weißt Du was? Ich hole Dir ein Glas Wasser, dann nimmst Du etwas Wasser in den Mund und so verhinderst Du, dass Du mit dem Mund pfeifst!“

Deti geht in die Küche und ich nehme schnell eine der Ohrenpfeifen und puste mit dem Mund kräftig hinein. Und siehe da, es piept und pfeift.

Deti ruft aus der Küche: „Na prima, klappt doch!“

Ich puste und pfeife weiter und bevor Deit zurückkommt stecke ich mir die Ohrenpfeife schnell wieder ins Ohr.
Gerade als er bei mir ist, ziehe ich schnell die beiden Dinger aus den Ohren und sage: „Meine Güte, diese Wirkung! Ich hätte ja nie gedacht, dass das klappt. Aber jetzt ist es genug. Sonst wird die Wirkung vielleicht zu stark für mich.“

Deti nickt und lächelt glücklich.

Ich habe jetzt Kopfschmerzen und meine Haare stinken nach Ziege.

Bild: cropped of Von Bjørn Bulthuis from Langley, BC, Canada – Ear Candle, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16034237

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