Die Eismann-Story -II-

Gleich mehrere Zuschriften erreichen mich zu meinem Artikel über den WDR-Beitrag „Die Eismann-Story“.

„Was ist denn der grundlegende Unterschied zwischen Bofrost und Eismann? Das habe ich jetzt nicht verstanden. Hieß es in dem Beitrag nicht sogar, die eine Firma hätte die andere übernommen? Und ist das Vertriebssystem nicht bei allen gleich?“

Zunächst mal zu den Gemeinsamkeiten: Sowohl Bofrost als auch Eismann liefern Tiefkühlprodukte an die Haustür. Über die Qualität der Eismann-Produkte kann ich nichts sagen, da ich diese Produkte nicht bewußt kenne. Ich weiß nur von meinen Kunden, die früher mal bei Eismann waren, daß sie mit der Bofrost-Qualität sehr zufrieden sind.
Was die Arbeitsbedingungen anbetrifft, so scheint es da ganz gewaltige Unterschiede zu geben. Wir Bofrost-Männer sind alle fest angestellt. Wir haben die Sicherheit eines großen Arbeitgebers, mit dem wir einen ordentlichen Arbeitsvertrag haben ohne irgendwelche Klauseln, daß hier noch was und da noch was bezahlt werden muß. Die Bofrost-Männer (und -frauen) sind keine freien, selbständigen Handelsvertreter, die auf eigenes Risiko arbeiten.

Sind wir doch mal ehrlich, alle Unternehmen dieser Welt wollen Geld verdienen und sie verdienen letztlich ihr Geld immer damit, indem ihre Angestellten eine Leistung erbringen, die das Unternehmen teurer an seine Kunden weiterverkauft. Das ist überall so, das ist eines der Grundgesetze der Wirtschaft.
Schert man nun aus dieser Spielregel aus und möchte als Arbeiter oder Angestellter mehr von dem haben, was normalerweise das Unternehmen noch abbekommt, so gibt es verschiedene Wege, das zu tun.

Der am leichtesten zu erklärende Weg wäre, daß man sich mit einem ebensolchen Unternehmen selbständig macht. Dann hat man die Arbeiterseite und die Unternehmerseite in einer Hand und arbeitet letztlich nur für sich selbst und das Finanzamt, die Berufsgenossenschaft, die IHK oder wer da sonst noch so die Hand aufhält.

Etwas komplizierter sieht es aus, wenn man innerhalb eines solchen Betriebes als selbständiger Subunternehmer oder Handelsvertreter arbeitet. Das wurde und wird in ganz vielen Bereichen der Wirtschaft so gemacht und ist ein durchaus legitimes und anerkanntes Geschäftsmodell. Jedoch birgt es die Gefahr, daß bei einer solchen Verquickung zwar nach wie vor die hohen Gewinne an das Unternehmen fließen, aber ein Großteil des unternehmerischen Risikos beim kleinen Selbständigen hängen bleibt.

Für mich wäre das nichts, ich scheue dieses Risiko und möchte am Monatsende mein festes Geld haben.

Nun ist es bei uns Bofrost-Männern so, daß wir einen Tariflohn als mindeste Absicherung erhalten, der unser Schwarzbrot ist, wenn es mal nicht so gut läuft. Darüberhinaus ist es auch bei uns so, daß derjenige, der sich mehr ins Zeug legt und ein größeres verkäuferisches Geschick beweist, mehr verdient. Aber wir werden nicht mit dem unternehmerischen Risiko allein gelassen, sondern wir arbeiten für einen großen Konzern, der uns den Rücken stärkt.

Das ist kein leichter Job, den wir Bofrost-Männer haben und manchmal ist es auch für mich fast zum Verzweifeln. Da läufst Du Dir die Hacken ab und fährst Kilometer um Kilometer, nur um dann einen Beutel Pommes an den Mann oder die Frau zu bringen. So ist das eben manchmal. Aber dann habe ich immer noch die Möglichkeit mir die Unterstützung durch die Niederlassung zu holen um was zu ändern.

Jedenfalls habe ich in all den Jahren niemals das Gefühl gehabt, daß mich da jemand abzocken will oder daß das Unternehmen ein Interesse daran haben könnte, daß irgendjemand schnell wieder aufhört, nur damit man dem Nachfolger schnell wieder ein Auto vermieten oder Berufskleidung verkaufen kann.

Was Ihre Frage anbetrifft, die Unternehmen Eismann und Bofrost haben nichts miteinander zu tun. Im Fernsehbericht war die Rede davon, daß Eismann die Firma „Family Frost“ übernommen hat. Mit uns hat das aber nichts zu tun.

3 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Alles sehr schlimm wie da bei den Subunternehmern abgezockt wird! Die Liste lässt sich noch weiter fortsetzen, die Post ist da auch nicht besser.

  2. @Selbstundständig:

    Alles sehr schlimm wie da bei den Subunternehmern abgezockt wird! Die Liste lässt sich noch weiter fortsetzen, die Post ist da auch nicht besser.

    Was willst du uns damit sagen?

  3. Ich glaube das Subunternehmertum ist garnicht so schlecht wie man immer glaubt.
    Man muss halt gewisse Qualitäten mitbringen wie z.B. Kenntnisse in Steuerrecht, Sozialrecht etc und man muss diszipliniert sein. Jedes Quartal die Umsatzsteuer Abrechnung mit Belegen für Tanken, Fahrtenbuch, beruflich bedingte Ausgaben etc.
    Und man muss sich überlegen ob es sich wirklich lohnt ggü einer Festanstellung.
    Das muss jeder selbst entscheiden. Aber man hat auch die eine oder andere Gestaltungsmöglichkeit als Selbstständiger.
    So habe ich z.B. einen alten Kumpel der mit seinem Handwerksbetrieb pleite gemacht hat und in der privaten Krankenversicherung war, wieder in die GKV zurückgebracht indem ich ihn ein Jahr auf 460€ Basis beschäftigt habe.

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