Die machen nicht auf

Ich habe einen Stadtteil im Bezirk, den will kein anderer Kollege fahren.
In diesem Stadtteil wohnen vorwiegend ältere Leute, darunter Witwen von Staatsanwälten, Richtern, Studienräten usw.
Bei meinen Kollegen ist die Tour als „kompliziert“ verschrien.

Ich komme dort ganz gut zurecht.
Es hat etwas mehr als ein Jahr gedauert und ich mußte viel reden, aber danach kannten mich die Kunden und Kundinnen und seitdem komme ich dort klar.

Wenn ich aber mal in Urlaub bin, dann kann es passieren, daß in dem ganzen Bezirk kaum ein einziger Verkauf zustande kommt.
Mich könnte das freuen, weil die Kunden dann nach meiner Rückkehr besonders heftig zuschlagen. Aber für den Kollegen, der mich vertritt, ist das natürlich ärgerlich.
Wir alle wissen, wie das Gefühl ist, wenn Du gegen Mittag noch so gut wie keinen Umsatz gemacht hast und der Feierabend immer näher kommt, ohne daß da Land in Sicht zu sein scheint.

Mein Vertreter erzählte mir: „Du ich komme an das Haus von der Frau B. Bei der machst Du doch immer einen guten Umsatz. Und dann steige ich aus, die Frau B. steht schon mit einem langen Zettel in der Haustür.
Dann fragt sie: ‚Ist der Herr Sowieso heute nicht da?‘ Ich sage ihr, daß Du in Urlaub bist. Und ruckzuck ist der lange Zettel in der Kitteltasche verschwunden und Frau B. sagt: ‚Ich brauche heute leider gar nichts.'“

Und dann erzählte mir der Kollege noch, daß er an vielen anderen Häusern feststellte, daß die Leute offenbar hinter der Gardine gestanden haben, aber nicht aufgemacht haben.

„Wenn die ein fremdes Gesicht sehen, machen die nicht auf.“

Ist doch interessant, oder?

Was der Kollege da beschreibt, das kann in jeder Straße, in jedem Bezirk mal vorkommen. Aber daß sich ein ganzer Stadtteil so verhält, als hätten sich die Kunden abgesprochen, das ist doch schon merkwürdig.

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo
    Da bist du in deinem bemühen die Kunden ans kaufen zu bekommen weit über dein Ziel herausgekommen. Wenn die so auf dich fixiert sind das die nur kaufen wenn du kommst hast du viel, sehr viel, falsch gemacht. Bis zu deinem nächsten Urlaub kannst du dir ja selbst die Aufgabe stellen durch reden und handeln die Kunden dazu zu bekommen das sie auch wieder bei anderen kaufen.

    Viele Grüße und mach diesen Fehler nicht wieder.

    • Danke für Deinen Kommentar. Aber ich sehe das nicht so.
      Natürlich kaufen meine Kunden für gewöhnlich auch bei einem Kollegen. Ich bin ja auch mal krank oder die Tourenplanung sieht einen Tausch vor.
      Das ist normalerweise auch gar kein Problem. Im Normalfall beobachten wir immer dreierlei. Mal kauft ein Kunde beim Vertreter deutlich mehr als bei mir, mal kauft ein Kunde deutlich weniger.
      Und der ganz überwiegende Teil der Kunden hat seinen Zettel vorbereitet und bestellt genau das, was er sich eben notiert hat, völlig unabhängig vom jeweiligen Verkäufer.

      Aber in diesem Stadtteil, von dem ich hier berichte, -und nur von diesem Stadtteil handelt mein kurzer Artikel- ist es eben anders. Ich weiß beispielsweise vom DHL-Paketboten, dass 2/3 der Pakete wieder mitgenommen werden müssen, weil die Leute nicht aufmachen, wenn mal ein Vertretungsbote diese Tour fährt. Ähnliches berichtet sogar ein Pflegedienst. Dort ist es so, daß Opa Heiner nicht aufmacht, wenn eine andere Schwester kommt, um seine Frau morgen zu pflegen.

      Ich habe schonmal nachgefragt, wovor die Leute eventuell Angst haben könnten. Sind dort viele Einbrüche vorgekommen? Waren dort viele Betrüger vielleicht mit dem Enkeltrick unterwegs? Aber für all das gibt es keine Anzeichen.
      Der Kaplan sagte mir mal, daß diese 5-6 Straßen ein in sich geschlossener Mikrokosmos sind, und dort eben ganz besondere Vorstellungen von Nachbarschaft und Fremden besteht.

      Mit mir als Verkäufer und meinem verkäuferischen Geschick hat das überhaupt nichts zu tun.

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