Die Poolnudel

Also Leute, ich gebe es zu, ich habe ein kleines Bäuchlein.
Keine Fett-Tonne, nur so ein kleines Schnitzelgewölbe.

Heute hatte mich mein Physiotherapeut ins Hallenbad bestellt. Dort sollte ich im Wasser Bewegungsübungen machen.
Das hörte sich gestern, als er das vorschlug, noch sehr schön an. Ich bin immer sehr gerne Schwimmen gegangen.
So ein bißchen herumkraulen, ein paar lockere Bahnen ziehen, das könnte sehr schön sein, dachte ich gestern.

Als ich heute Morgen jedoch in aller Herrgottsfrühe beim Frühstück saß, fing es erstens draußen an zu regnen und zweitens sorgte die frühe Stunde dafür, daß mir so gar nicht nach Wasser zumute war.
Um ehrlich zu sein, zu einer so frühen Zeit entwickele ich fast schon eine Art Wasserscheu. Duschen und Waschen geht, aber schwimmen?

Außerdem hatte ich meine einzige Badehose schon ein paar Jahre nicht mehr an und fand sie reichlich knapp.

„Ach was, das geht schon“, ermutigte mich Thomas, der Physiomann: „Nun aber husch husch ins Wasser!“

Husch, husch? Bin ich denn ein Häschen?

Kaum hatte ich mich ans Wasser gewöhnt, holte Thomas ein pinkfarbenes Etwas hervor. „Das ist eine Poolnudel!“

„Danke, ich hab schon gefrühstückt“, sagte ich.

Thomas grinste nur und warf mir das Schaumstoffding zu. Das etwa anderthalb Meter lange Gebilde in Form einer dicken Maccaroni sollte ich mir unter die Kniekehlen legen, während ich mich auf dem Rücken auf der Wasseroberfläche treiben lasse.

Musterfoto: So würde es aussehen, wenn man es könnte…

Aber so sehr ich mich auch anstrengte, die auftriebsfreudige Schaumwurst blieb nicht unter meinen Kniekehlen. Mal flutschte sie nach links weg, mal nach rechts. Und wenn ich versuchte, etwas mehr Druck auf sie auszuüben, führte das nur dazu, daß ihre Fluchtversuche so aussahen, als würde ein junger, übermütiger Delphin aus den Wogen springen.
Bis zu drei Meter weit flog das störrische Ding.

Mittlerweile hatten sich neben einer ganzen Schar von sehr betagten Rentnern auch an die 20 junge Mädchen im Hallenbad eingefunden. Offenbar Schülerinnen, wahrscheinlich von dem katholischen Internat in der nächsten Querstraße.
Die hatten ihren Spaß, mir zuzusehen, wie ich mit der Nudel kämpfte.

Vor allem die Lehrerin hatte ihren Spaß. Die etwa 35jährige gehörte ganz augenscheinlich zu den sehr, sehr sportlichen Menschen und zeigte kein Verständnis für meine hilflosen Versuche, die Gumminudel zu bändigen.
Die Frau schien sogar irgendwas Abfälliges über mich gesagt zu haben, denn auf einmal schauten alle Mädchen zu mir herüber und lachten.

Just in dem Moment hatte ich aber die Poolnudel unter Kontrolle gebracht. Endlich verharrte sie unter meinen Kniekehlen und ich schwamm schön auf dem Rücken.
Doch dann machte sich der Auftrieb der Schaumgummiwurst wieder bemerkbar. Und langsam, ganz langsam quoll mit das störrische Ding zwischen meinen Beinen hervor, um dann senkrecht in die Luft zu ragen.

„Schaut da weg!“, kommandierte die Sportliche ihre Schülerinnen und mir rief sie zu: „Sie Schwein!“

Dann sauste die Nudel einen Meter hoch in die Luft und ich ging vorübergehend unter.

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