Doppeltes Lottchen

Ich bin Putzi ausgeliefert! Hilflos ausgeliefert!
Die gute esoterische Verwandte ist ja auch in meiner REHA-Station tätig.
Nun gut, ich will Putzi nicht schlecht machen. Ihre Öl- und Klangschalentherapie bewirkt bei mir zwar nichts, schadet aber auch nicht und die Ruhepause in ihrem Ding-Dong-Salon erspart mir weitere schmerzhafte Übungen mit dem Medizinball.


Aber damit ist es nicht genug. Putzi und ihr Mann Deti kommen jetzt auchjeden Abend zu uns nach Haus.

JEDEN ABEND!

Sie wollen es mir besonders bequem machen und den Heilungsprozess dadurch beschleunigen, dass sie in praktisch jeden Winkel unseres Tagesablaufs Optimierungspotential sehen.
Ich sitze nicht richtig vor dem Fernseher, weil meine Couch keine Lordosenstütze hat. (Ich hatte ja erst Cordhosen-Stütze verstanden.)
Ich esse nicht richtig, weil ich nicht „im Kreis kaue“.
Ich esse sowieso das Falsche und ich trinke auch nicht das Richtige.

Diese Liste könnte ich unendlich fortsetzen.
Normalerweise würde ich denen einfach die kalte Schulter zeigen und es wäre auch nicht das erste Mal, dass ich sie einfach nach Hause schicke.
Aber diesmal tun sie das ja quasi mit ärztlichem Segen, denn ich bin ja immer noch verletzt und ohne ihre Unterstützung sozusagen dem Tode geweiht.
Na ja, das ist übertrieben, aber selbstverständlich wird der Heilungserfolg sofort in Frage gestellt, wenn ich mal ein Glas Limonade trinke. „Die Kohlensäure, der Zucker!“ Oder einen Apfle esse: „Das sind keine Bio-Äpfel die sind gespritzt, Du wirst sterben!“ oder weil ich auf der Terrasse sitze: „15 Minuten am Tag sind für die Vitamin D-Produktion wichtig, alles andere macht Hautkrebs!“

Egal was ich tue, ich mache es verkehrt. Oder genauer gesagt: Ich könnte es moirgen auch genauso machen, wie Deti und Putzi es heute sagen, es wäre trotzdem verkehrt. Wahrscheinlich ändern sich die grundsätzlichen Erkenntnisse esoterisch-homöopathischer Heilkunst jeden Tag…

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