Falle nicht auf die Lebensmittellügen herein! -Teil 1-

Es ist ja klar. Wenn wir irgendetwas essen, also in unseren Körper aufnehmen, macht das irgendetwas mit uns.
Sagen wir es so: Meistens schmeckt es und im Idealfall macht es uns satt.
Nun weiß aber jeder, daß man zu dick wird, wenn man zu viel ißt. Und jeder weiß auch, daß man Durchfall und Krankheiten bekommen kann, wenn man das Falsche ißt.
Die Auswirkungen unserer Nahrung kann man also einerseits kurzfristig (Übelkeit, Erbrechen, Durchfälle) und andererseits langfristig (Gewichtszunahme, Diabetes, Mangelerscheinungen) feststellen.

Dick und dünn, ist es so einfach?

Halten wir generell noch einmal eine Erkenntnis fest, die ich hier im Blog schon oft besprochen habe:

Jeder Mensch hat einen Grundumsatz. Er beschreibt, grob gesagt, die Menge an Kalorien, die wir verbrauchen, wenn wir gar nichts tun.
Hinzu kommt der Umsatz an Kalorien, der durch unsere Tätigkeiten entsteht.
Nehmen wir also genau so viel Kalorien zu uns wie wir insgesamt verbrauchen, verändert sich unser Gewicht nicht großartig.
Essen wir mehr, nehmen wir langfristig zu. Essen wir weniger, nehmen wir langfristig ab.
Wie gesagt, das ist alles nur vereinfacht gesagt, beschreibt es aber schon ganz gut.

Welche Wünsche haben Menschen bezüglich ihrer Ernährung?

Menschen haben für gewöhnlich also vier Wünsche, die sich aus dem oben Gesagten ableiten lassen:

1. das Essen soll Nahrung sein, also satt machen
2. das Essen soll schmecken
3. das Essen soll kurz- und langfristig nicht krank machen
4. das Essen soll möglichst zum Wunschgewicht führen

Wir haben bei der Auswahl unserer Lebensmittel Zugriff auf unglaubliche Ressourcen. So viele verschiedene Lebensmittel in einer so hohen Verfügbarkeit haben uns Menschen noch nie zur Verfügung gestanden.

Welche Lebensmittel gibt es überhaupt?

Wir können auswählen zwischen

  • Rohprodukten, die wir weitestgehend selbst zubereiten müssen
  • teilweise vorbereiteten Lebensmitteln, die die Zubereitung etwas erleichern
  • hoch verarbeiteten Lebensmitteln, die für uns weitestgehend fertig zubereitet sind

In früheren Zeiten standen die teilweise und komplett verarbeiteten Lebensmittel nicht in der heutigen Form zur Verfügung.
Die moderne Nutzung unserer Zeit macht es aber erforderlich, dass wir Essen in kürzerer Zeit und mit weniger Aufwand zubereiten wollen. Sechs Stunden Gemüse putzen und Fleisch säubern, das will heute keiner mehr.
Moderne Küchengeräte, neuere Zubereitungsformen und vor allem die Lebensmittelindustrie helfen uns dabei, diese gewünschte Zeitersparnis und Bequemlichkeit zu erreichen.

War früher alles besser?

Hieraus schließen nun manche, diese zeitgemäßen Zubereitungsformen unserer Nahrungsmittel seien hauptursächlich für eine Vielzahl von gesundheitlichen Erscheinungen.
Man glaubt also beispielsweise, daß unser weißes, sehr feines Auszugsmehl, das wir vorzugsweise verwenden, schlechter sei, als dunklere Mehlsorten, wie sie schon vor 100 oder 150 Jahren verwendet wurden.
Der Lebensmittelexperte Udo Pollmer meint aber dazu, daß unsere Vorfahren die hellen Mehlsorten beispielsweise deshalb entwickelt haben, weil wir sie einfach besser vertragen.
Kehren wir nun zu einer Ernährung zurück, die hauptsächlich auf Vollkornprodukte und -mehlsorten basiert, können Verdauungsprobleme auftreten.
Die These, eine Ernährung wie vor 100 oder 200 Jahren sei besser als die heutige, funktioniert nicht. Damals hatten die Menschen eine viel niedrigere Lebenserwartung, starben an Krankheiten, die heute als Bagatelle gelten und hatten ganz eindeutig auch körperliche Schäden, die durch ihre Nahrung verursacht wurde.

Damals wie heute ist der Mensch also auf der Suche nach einer für ihn besonders gut geeigneten Ernährung.

Aus dieser Suche ergeben sich zum Teil ganz seltsame und phantastische Ernährungsregeln.
Die erste, so haben wir erkannt, „früher war alles gesünder und besser“ stimmt nicht. Moderne Lebensmittel sind auf uns hin optimiert und sie sind das Ergebnis von Jahrtausenden Suche nach den besten Lebensmitteln.

Deshalb werden Lebensmittel optimiert

Aber: Moderne Lebensmittel werden auch aus anderen Gründen optimiert. Also nicht allein aus dem Grund, damit sie besser für uns sind. Vielmehr hat auch die Lebensmittelindustrie drei wichtige Gründe, Lebensmittel zu verändern bzw. zu optimieren:

  1. schlecht verfügbare und teure Produkte sollen durch günstigere oder nachgeahmte Produkte ersetzt werden
  2. die Zutaten müssen der maschinellen Bearbeitung gerecht gemacht werden (Maschinenführigkeit)
  3. mit einem geringstmöglichen Kosteneinsatz sollt der größtmögliche Gewinn erzielt werden

Und über allem schwebt der Wunsch der allermeisten Menschen, sich gesund, richtig und so wenig krankmachend wie möglich zu ernähren.

Lebensmittellüge Nummer 1: Bio ist besser

Jetzt könnte man annehmen, daß eine Ernährung, die weitestgehend auf índustriell verarbeitete Lebensmittel verzichtet, eine bessere Ernährung sei.
Auch wird oft behauptet, biologisch erzeugte Lebensmittel seien besser, gesünder oder schmackhafter.

Alle drei Punkte treffen definitiv nicht zu.
Bio-Lebensmittel werden unter kontrollierten Bedingungen erzeugt. „Bio“ beschreibt hier also zunächst einmal einzig und allein ein Produktionsverfahren für Lebensmittel.
Ziel des Ganzen ist eine Schonung von Tier und Umwelt, durch weitestgehenden Verzicht beispielsweise auf Pestizide.
Über die Qualität, den gesundheitlichen Aspekt oder den Geschmack von Bio-Produkten sagt das Prädikat „bio“ zunächst also einmal gar nichts aus.

Besser sind diese Produkte schon rein optisch oft nicht. Jede Treibhaustomate aus Holland oder Spanien sieht meist besser aus, als ihr Bio-Pendant.
Und dafür, daß Bio-Produkte gesünder seien, gibt es laut „Stern“ (Die Bio-Lüge) keinerlei belegbare Studien.
Ja und ob Bio schmackhafter ist, ist nun mal eben eine reine Geschmacksfrage, und über Geschmack kann man bekanntlich nicht streiten.

Aber aufgepaßt: Es geht mir nicht darum, Bio-Produkte schlecht zu reden. Sie werden im weiteren Verlauf dieser Serie noch sehen, daß das ganz und gar nicht der Fall ist.
jedoch muß einfach darauf hingewiesen werden, daß die Grundbehauptung, bio sei besser für den Menschen, nur eine These ist, die zunächst einmal durch nichts belegt ist.

1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

  1. Wirklich gute Gedankengänge. Für mich neu war insbesondere dein Widerlegen der Behauptung, dass früher alles besser war mit dem Verweis, dass früher die Menschen diverse Krankheiten hatten, die aus Fehlernährung entstanden sind, die heute aber kaum noch in der Form auftreten.

    Ich würde es aber einschränken, dass ich durchaus denke, dass durch die höhere Verarbeitung und Energieeffizienz unsere Verdauung auch teilweise Problem bekommt, da wir einfach immer weniger Masse haben und der Darm eigentlich ein gewisses Maß an Masse benötigt, um sinnvoll funktionieren zu können.
    Zumindest haben mir das auch mehrere Ärzte so erklärt. Wobei du natürlich Recht hast, dass „Mehr Ballaststoffe = Besser“ auch in dieser Pauschalität schwachsinnig ist und es durchaus auch viele Menschen gibt, die mit zuvielen Ballaststoffen Verdauungsprobleme kriegen. Aber hier muss einfach jeder Mensch seinen individuellen Mix finden, der ihm am besten bekommt. Menschen sind keine Roboter, die alle nach dem exakt gleichen Plan ernährt werden können.
    Die Industrialisierung der Lebensmittel ist deutlich schneller als die Evolution sich anpassen kann. Das meiste ist ja sogar innerhalb einer Generation passiert.

    Und bezüglich der Tomaten würde ich dir dahingehend widersprechen, dass die holländischen Gewächshaustomaten zwar besser aussehen, im Vergleich zu Bio-Tomaten aber einfach nur noch nach Wasser schmecken.

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