Gelber Sack und Verpackungswahn

Wenn ich durch manche Stadtteile fahre, dann sieht es dort über Tage und manchmal Wochen so aus, wie in Berichten aus afrikanischen Slums. Der Wind treibt Papierfetzen über die Straße, überall liegen leere Konservendosen, Papier hat sich um Fahrradständer und Bäume gewickelt, leere Plastikflaschen rollen die Straße hinunter. Ab und zu sieht man Hunde oder Katzen, die leere Dosen ausschlecken und auf aufgerissenen Tüten sitzen Trauben und Krähen und picken nach Abfallresten.
Mitunter stinkt es an mancher Ecke, wie auf einer Müllhalde.

Und wiegesagt, das sind nicht die Zustände in einem Entwicklungsland, sondern das ist die traurige Realität in Gebieten, in denen die Menschen mit dem sogenannten gelben Sack ihren Müll trennen müssen.
Manchmal beneide ich die Leute, die so ein Sacksystem haben. Dort wo ich wohne, gibt es das nicht, wir haben entsprechende Tonnen.
Denn das mit den Säcken hat ja den Vorteil, daß man so viele Säcke rausstellen kann, wie man möchte. Bei uns geht das nicht. Wenn die Tonne voll ist, ist sie voll und es darf der Deckel keinen Millimeter aufstehen, sonst wird die Leerung verweigert.

Aber wenn ich sehe, was in den Gebieten manchmal los ist, wo es diesen gelben Sack gibt, dann bin ich froh, daß wir eine Tonne haben.
Das private Entsorgungsunternehmen scheint sich bei den Säcken dort nicht an die Abholungstermine zu halten. Zu wenig Personal, zu eng gesteckte Touren, zu viel Säcke zum Aufladen. Manchmal stehen die Säcke drei bis vier Tage nach dem Abholungstermin noch am Straßenrand.
Mittlerweile ist auch die Qualität der Säcke ganz miserabel geworden. Dünner kann man Folien kaum ziehen. Schon eine Pappschachtel ist in der Lage die Folien von oben bis unten aufzureißen. Oft reißen die Säcke schon beim Auseinanderfalten oder beim Abreißen von der Rolle.
Und dabei sind die Säcke heute richtig wertvoll geworden. Früher gab es sie in jedem Supermarkt an der Kasse. Hier in der Region ist das nicht mehr der Fall, da bekommt man sie nur noch auf den Servicestellen der Gemeinde. Und da klebt an den meisten Tagen ein Schild mit der Aufschrift „Keine gelben Säcke mehr vorhanden“ an der Tür.

Das liegt daran, daß man den Bedarf pro Kopf zu optimistisch gerechnet hat und weil Gewerbetreibende sich oft ganz Kartons mit Sackrollen geben lassen und ihren gewerblichen Verpackungsmüll nicht wie vorgesehen auch gewerblich entsorgen lassen, sondern oft 20-30 Säcke rausstellen bzw. damit es nicht auffällt mal eben auf die Sackablageplätze in der ganzen Straße verteilen.

Da liegt vieles im Argen!

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