Happy Birthday!

Da kommst Du an die Tür, weißt genau, daß die meistens nur Pommes und Fischstäbchen nehmen und auf einmal bist Du mitten drin in einem Kindergeburtstag.
„Wir haben schon so auf Sie gewartet“, sagt die Mutter und strahlt über das ganze Gesicht. „Hier ist die Bestellung, wir haben schon alles rausgesucht.“

Kuchen, Eis, süße Teilchen… Der Umsatz stimmt, ich freue mich.

Beim Hereintragen der Ware umringt mich die ganze Kinderschar, ich bin zuerst doch ein wenig genervt. Ich soll auch alles in die Kühltruhe räumen.

Truhe? Was für eine Truhe? Die haben nur drei Schubfächer unter dem Kühlschrank und die sind voll.
„Nein, nur die Fischstäbchen und die Pommes, alles andere können Sie hier auf die Anrichte legen, wir haben doch Kindergeburtstag!“

„Onkel, Du hör mal, BoFrost-Mann, gibst Du uns Eis?“ sagt die Kleine, die Geburtstag hat und setzt mit ein goldenes, spitzes Hütchen mit einem albernen Bommel auf den Kopf; das Gummibändchen zwickt mir ins Kinn. Eben will ich etwas genervt aber freundlich sagen, daß der Onkel BoFrost-Mann jetzt wieder gehen muß, weil noch ganz viele andere Leute auf ihn warten, da schaue ich in die Augen des Geburtstagskinds. Strahlendes Blau, Himmelblau, erwartungsvoll…

„Natürlich gebe ich Euch ein Eis“, sage ich und schaue fragend in Richtung der Mutter. Die nickt lächelnd und ich verteile Eis an alle Kinder. Sechs oder sieben sind es und alle wollen einmal beim BoFrost-Mann auf dem Schoß sitzen.

„Hast Du auch Kuchen mitgebracht?“

„Gibt’s noch süße Teilchen?“

„Hast Du noch mehr Eis?“

„Machst Du das Eis selbst?

„Woher kommt es, daß das Eis so lecker ist?“

„Holst Du das Eis am Nordpol?“

„Mußt Du jeden Abend das ganze Eis aufessen, was übrig bleibt?“

„Wenn der das ganze Eis essen darf, dann will ich auch mal BoFrost-Mann werden!“

Im Kopf tickt meine innere Uhr, ich muß noch zu Frau Kaiser, die legt Wert auf pünktliche Belieferung. Wenn ich da nicht zur ausgemachten Zeit auftauche, meckert die wieder die ganze Zeit.
Dabei hat sie Zeit ohne Ende, niemand treibt sie, keiner drängt sie.

„Singst Du was mit uns?“

Nein, bloß das nicht! Niemals würde ich auf einem Kindergeburtstag singen. Ich doch nicht! Nicht für alles Geld der Welt!

Fünf Minuten später stehe ich im Wohnzimmer vor dem Fernseher, umringt von einem halben Dutzend Kinder und muß „Last Christmas“ singen. Beifall!
Die Kinder sind begeistert, die Mutti ist glücklich und ich komme mir fast vor, wie der Weihnachtsmann.

Ach komm, soll die alte Frau Kaiser doch meckern, ein Lied geht noch.

3 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Huch, ein neuer Blog. Ich bin ja mal gespannt. Also herzlich willkommen in der Blogosphäre.

  2. „Im Kopf tickt meine innere Uhr, ich muß noch zu Frau Kaiser, die legt Wert auf pünktliche Belieferung. Wenn ich da nicht zur ausgemachten Zeit auftauche, meckert die wieder die ganze Zeit.
    Dabei hat sie Zeit ohne Ende, niemand treibt sie, keiner drängt sie.“
    😉
    Rentnerin?

  3. @Leontine:

    Huch, ein neuer Blog. Ich bin ja mal gespannt. Also herzlich willkommen in der Blogosphäre.

    Jetzt bist du mir sympathisch.

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