Jetzt wieder mit Karte?

Lieber Rolf!!!
Bisher bekamen wir immer eine Postkarte, wenn unser Herr F. von Bofrost mit den leckeren Sachen kam. Auch eine SMS aufs Handy kam immer am Abend vorher oder so.
Dann hieß es, das sei ab sofort anders und Herr F. komme nicht mehr. Stattdessen kam dann Herr B., auch sehr nett, aber eben nicht unser Herr F., den wir schon so lange kennen.
Postkarten und SMS gabs auch nicht mehr. Stattdessen kam Herr B. immer alle 14 Tage, am selben Wochentag.
Das fand ich unpraktisch und zwar aus zweierlei Gründen.
Der Besuchsrhythmus war mir zu kurz. Ich brauche nicht alle 14 Tage was. Anfangs habe ich häufiger Kleinpackungen genommen, um den Herrn B. nicht zu enttäuschen.
Aber unser Bedarf und der 3-4 wöchige frühere Rhythmus passten mehr zusammen.

Zweitens: Immer am selben Tag ist Mist. Ich habe mehrmals in der Niederlassung angerufen und es auch Herrn B. gesagt, der Dienstag ist für mich ganz schlecht.
Ich kann sowieso nie so viel im Voraus planen weil ich zwei Kinder habe.
Da war es mir immer sehr angenehm, wenn der Bofrost zu unterschiedlichen Terminen kam. Mal Montag, mal Freitag, mal früh am Morgen, mal mittags.
Da war die Chance größer, daß die Termine zusammenpaßten. Und paßte es mal nicht, dann paßte es beim nächsten Mal an einem anderen Tag zu einer anderen Zeit besser.

Jetzt war gestern überraschend unser Herr F. wieder da. Er kommt jetzt alle drei Wochen, nicht mehr 14tägig. Er hat auch eine Postkarte mit dem nächsten Termin dabei.
Und er sagt, daß alles wieder so wird wie früher.
Ich will nur mal sagen, daß ich das sehr begrüße. Aber warum bloß das ganze Hin und Her???

Mit freundlichem Gruß
Familie R.

Das ist ein Thema, da viele Mitarbeiter derzeit sehr beschäftigt. In verschiedenen Testniederlassungen wurden unterschiedliche Besuchsrhythmen ausprobiert. Teilweise mit sehr unterschiedlichem Erfolg.
Hierbei müssen verschiedene Interessen unter einen Hut gebracht werden und daraus ergeben sich durchaus auch unterschiedliche Sichtweisen auf ein und dasselbe Modell. Für die einen ist es ein Erfolg, für die anderen ein Mißerfolg.
Auf der einen Seite haben wir das Unternehmen, das einen Überblick über das Große und Ganze hat und alle Pläne genau kennt.
Auf der anderen Seite ist der Kunde, der in diesem Dreierspiel die wichtigste Komponente ist, denn für ihn werden diese ganzen Tests veranstaltet. Die Frage ist: Wie kann man die Kunden am allerbesten, effektivsten und servicefreundlichsten bedienen.
Dazwischen sind die Verkaufsfahrer, die einerseits die Interessen des Unternehmens vertreten, gleichzeitig aber auch die ihrer langjährigen Kunden und die noch selbstverständlich eigene Interessen haben.
Das sind: Effektive Routenführung, durchdachtes Warenangebot, funktionierende Belieferung und Beladung, ausreichend Kundenbesuche mit entsprechendem Umsatz.

Aus diesem Zwiespalt, ja man muß fast sagen Dreispalt, heraus, sollen sich für alle Beteiligten nun auch noch Vorteile ergeben.

Daß das kein leichtes Unterfangen ist, liegt auf der Hand.
Ich verstehe in Ansätzen, worauf das Unternehmen hinaus will. Recht plumpe Kommentare hier und bei Facebook unterstellen allein Gewinnstreben als Motivation. Und das ist sicherlich auch zum Teil richtig, denn es ist das Wesen eines Kaufmannsgeschäftes, daß es auf Gewinn ausgerichtet ist. Aber es steckt noch mehr dahinter. Soviel ich verstanden habe, versucht das Unternehmen sich den veränderten Bedingungen am Markt mit schnellen und teils radikalen Mitteln zu stellen.
Man will ein modernen, serviceorientiertes und multimediales Bofrost, das den Anforderungen der Zeit gewappnet ist.

Die Kunden wollen am Liebsten „just in time“. Ein Produkt fehlt im Gefrierschrank, der Bofrostmann kommt sofort und liefert nach.

Die Verkaufsfahrerinnen und -fahrer wollen innerhalb der Arbeitszeit alle Kundenkontakte abwickeln können und möglichst viele Kunden antreffen, wovon dann wiederum auch möglichst viele Kunden etwas kaufen oder zumindest vorbestellen sollen.
Auch das wird immer wieder gerne in diversen Foren diskutiert, aber das ist überhaupt nichts Schlimmes, sondern ganz normales und weltweit übliches kaufmännisches Tun: Der Kaufmann, in diesem Fall der Bofrostmann, bietet seine Waren an und der Kunde entscheidet, ob er was kauft oder nicht.

Nun hat offenbar eine bestimmte Form der Marktstrategie in Italien toll funktioniert und erstaunliche, positive Ergebnisse gebracht. Eine Mischung aus kurzen Besuchsrhythmen, individuellen Vorbestellungen am Telefon und tollen, neuen Produkten, haben zu einer Art Bofrost-Hype geführt. Italienische Freunde erzählten mir, daß es unglaublich schick ist, wenn man in Italien zum Beispiel einen Vorwerk-Thermomix hat und bei Bofrost kauft.
So einen Hype um Lebensmittel hatten wir vor Jahren, als es auf einmal schick wurde, bei ALDI einzukaufen.

Das alles hätte man natürlich auch gerne hier in Deutschland. Und so unterschiedlich sind Italiener und Deutsche ja nicht …
Oder doch?

Das ist nämlich genau die große Frage: Kann dieses italienische Modell auch in Deutschland zur allseitigen Zufriedenheit funktionieren?

Tja, und genau das wird im Moment ausprobiert.

Das setzt aber voraus, daß man auch offen an die Sache herangeht und das italienische Modell zulässt.
Wer von vornherein als Mitarbeiter mauert, der kann und wird damit auch keinen Erfolg haben.

Aber die Mitarbeiter ziehen auch nur dann bereitwillig mit, wenn sie merken, daß die Zufriedenheit bei den Kunden wirklich steigt, und wenn unterm Strich mehr oder wenigstens nicht weniger in der Lohntüte ist.

Es wäre völlig falsch, diese ganze Umstellung nun ausschließlich auf dem Rücken der Verkäuferinnen und Verkäufer auszutragen. Und das geschieht auch offenbar nicht. Aber es wird von manchen so empfunden. Und genau da muß man meiner Meinung nach ansetzen.

Was ist die Meinung der Kunden und Kollegen, die hier mitlesen dazu?

9 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo…
    Was gibt es denn bei bofrost* denn alles für Kunden…
    ALLE!!!
    und JEDER ist anders…
    der eine kauft alles..der andere braucht Gemüse…die nächste brauch Fisch…
    der eine ist nur abends erreichbar…die andere nur bis 12..die nächste zwische 12 und 14 Uhr…
    dem eine reicht eine Tüte für 6 Wochen…die andere hat 3 Tage später schon wieder bedarf…

    bloß wie bekommen wir diese unterschiedlichten Menschen
    Oma, Geschäftsfrau, Rentner, Sportlerin, und davon abgesehen:
    eingefahren, entdeckerfreundlich, impulsiv, neugierig, uninteressiert…
    unter EINEN Besuchsrhrytmus ???

    Doch nur wenn wir mit den Kunden reden, Ihre Wünsche wahrnehmen und danach handeln!
    Sicherlich können wir die meisten Kunden mit den bestehenden System recht gut bedienen,
    aber alle können wir damit nicht erreichen.

    Was fehlt ist ein System, in dem der zuständige Verkäufer direkt eingreifen kann um den besten Service und, nicht nur für den Verkäufer, den besten Nutzen für den Kunden zu erreichen.

    mfG Stefan

  2. Da bin ich ja froh das wir keine Versuchskaninchen waren,alles beim Alten mit Terminpostkarte und alle 4 Wochen.Ich mag den Thermomix nicht und ich hechel auch sonst keiner Modeerscheinung hinterher und ein Italiener der alle 14 tage neues Futter braucht bin ich auch nicht 😉

  3. das große Problem aus Verkäufersicht ist doch das: Zuerst wird groß angekündigt, dass das sog. deutsch-italienische Modell eingeführt wird (dessen kernelement ja das doppel-starre Tourenwesen ist); ob im zwei- oder drei-Wochen-Rhytmus, gelte es auszutesten. Soweit, so gut. Dann wird ein Zeitplan genannt, der immer wieder nach hinten verschoben wird und jetzt ist von dem Modell praktisch nix mehr übrig, weil es nun heißt, wir fahren doch flexible Touren weiter.
    Fazit für mich: ich arbeite ja gerne bei bofrost und der Job macht auch meistens Spaß, aber bei dem ganzen italienischen Verwirrspiel kann ich unsere oberste führung nicht mehr ernst nehmen.
    Bin nur mal gespannt, was von dem groß angekündigten neuen Lohnmodell übrig bleibt.
    Wahrscheinlich auch nur der Begriff „Modell“ und sonst nix

  4. Ich habe das Ausgabedatum des „The Economist“ nicht mehr im Kopf, in der betreffenden Ausgabe wurden deutlich die Unterschiede zwischen Deutschland und Italien aufgezeigt. Diese gelten als fundamental!

  5. Das größte Problem von bofrost* sind die Verbrauchermärkte. Selbst auf dem flachen Land müssen nur wenige Kilometer gefahren werden und man steht vor einem gut sortierten Markt. Niemand bindet mich in der Planung meines Tagesablaufs – ich habe keine Wartestellung einzunehmen.

    Mit meiner elektrischen Kühlbox, bringe ich meine TK sicher und bequem nach Hause.

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