Neues von Deti und Putzi in 3D

Deti und Putzi, der Fluch meiner Wochenenden und Freizeit, sind ja einigen Lesern schon bekannt.
Allen anderen möchte ich sie noch einmal vorstellen:

Putzi heißt eigentlich Renate und ist irgendwie mit uns verwandt. Meine Frau behauptet ja, Renate sei ihre Schwester, aber ich tendiere ja mehr dazu, daß Renate die Ausgeburt irgendeines Fluchs ist, den eine durchreisende Zigeunerin auf unser Haus und speziell auf mich gelegt hat. Ich vermute, Renate ist so etwas wie eine Prüfung, eine ganz schwere Prüfung, die man als Mensch, als Mann, erst einmal überstehen muss; und wenn man Renate überstanden hat, dann kommt man sofort in den Himmel.
Renate ist also, so behauptet wenigstens meine Frau, meine Schwägerin. Verheiratet ist sie mit Detlef, den sie immer Deti nennt und den ich insgeheim nur “3D” nenne. Die drei D stehen für “Detlef, doof und dreist”, sie könnten aber auch für “dumm, dämlich und degeneriert” stehen.

Detlef heißt hinten Dörrsam und Renate ist eine geborene Blaschke, woraus sie den Doppelnamen Dörrsam-Blaschke bezieht und damit das Ganze auch so richtig standesgemäß dämlich klingt, hat Renate einen ihrer weiteren Vornamen (den von Tante Hannelore, die ihre Taufpatin war) noch mitten rein gepackt und so steht es auch auf dem Schild an Detlefs und Renates Haustüre:

Renate-Hannelore Dörrsam-Blaschke
esoterische Lebensberatung

Detlef ist Aufzugmonteur und viel unterwegs, manchmal auch wochenlang auf Montage, Renate hat früher Fisch in der NORDSEE oder so verkauft, kann das aber jetzt nicht mehr, da sie sich “auf einer anderen Ebene im feinstofflichen Bereich mit der Seele der Fische, vor allem der Wale und Delphine, intensiv auseinandergesetzt hat” und hält nun daheim in ihrer “Praxis” Sprechstunden für andere Bekloppte ab und betreut nebenbei ihre höchst überflüssigen Kinder Gwynn-Meredith (8) und Sören-Lukas (10).

Das wäre ja alles gar nicht schlimm, es gibt so viel Platz auf dieser Welt, und ich könnte gut mit Detlef, Renate-Hannelore und Gwynn-Meredith sowie Sören-Lukas auskommen, würden die vier nur auf Sansibar wohnen, oder an der Elfenbeinküste, oder in Argentinien, oder in der Antarktis, in Australien, in Neuseeland… kurzum: Mir wäre alles recht, wenn da nur wenigstens 2.000 Kilometer dazwischen wären…

Aber die vier haben uns als ihre Lieblingsverwandten auserkoren und hängen unerfreulicherweise immer wieder über Stunden bei uns herum. Ich habe neulich erst zu meiner Frau gesagt, daß es vielleicht helfen würde, wenn ich Detlef einfach mal PAM gebe, wobei PAM für “ein paar aufs Maul” steht, aber meine Frau hat nur entsetzt geguckt und war ganz erstaunt ob meiner ungewohnt gewaltverherrlichenden Reaktion.

2004, also vor zehn Jahren, waren Deti und Putzi auf einem Druidenkongreß in England. Dort hat man sie, wenn man mich fragt, komplett bekloppt gemacht.
Jetzt waren sie nach zehn Jahren wieder dort und nun hat sich Putzi für sagenhafte 3.250 € eine Weihe zur Priesterin von Stonehedge gekauft.
Sie sagt natürlich, sie habe dafür eine spirituelle Ausbildung gemacht.

„Wie soll das gehen?“, fragte ich. „Du bist hier in Deutschland und wenn ich Dich richtig verstehe, sitzt Dein Schamane in England.“

„Das ist kein Schamane! Schamanismus mache ich erst nächstes Jahr. Das war ein Druide!“

„Also gut, Dein Druide sitzt in England und Du hier. Wie geht das?“

„Ich setze mich abends zu einer vereinbarten Zeit in den Garten und empfange seine Botschaften.“

„Ach was!“

„Doch, und natürlich per E-Mail.“

„So ein Druide kann E-Mail?“

„Aber sicher, ist ein moderner Druide.“

„Aha.“

Meine Frau, die sonst Putzi immer die Stange hält, mischte sich ein: „Heißt das aber nicht Stonehenge? Du sagtest Stonehedge.“

„Ja, Stonehedge ist richtig.“

„Aber Stonehedge heißt soviel wie Steinhecke, das ist nicht dasselbe wie das berühmte Stonehenge oder?“

„Nöööö, Priesterin von Stonehedge ist billiger als Priesterin von Stonehenge. Da spart man fast 2.000 Euro!“

Gleichzeitig entfuhr es meiner Frau und mir: „Ach du Scheiße!“

Putzi war nur kurzzeitig irritiert, ließ sich aber nicht aus dem Konzept bringen. „So lange wir auf das Rad von Geburt und Wiedergeburt gespannt sind, sollen wir uns weiterbilden, um später eine höhere Stufe in der Reinkarnation zu erreichen.“

„Au weia!“, rief ich und wollte gehen. Dieser Blödsinn wurde mir zuviel. Doch dann fragte ich: „Bedeutet das, daß Du immer wieder wiedergeboren wirst?“

„Ja aber selbstverständlich doch!“

„Und wie oft bist Du schon wiedergeboren worden?“

„Das weiß ich nicht genau, erwiesen sind bisher drei Vorleben.“

„Also dreimal warst Du schon ganz sicher hier?“

„Ja, einmal als Hofdame bei Nofretete, einmal als arabisches Klageweib und einmal als Hofschreiber bei Karl dem Großen.“

„Und besteht die Möglichkeit, daß Du als was anderes, sagen wir als Fisch oder Hühnchen wiedergeboren wirst?“

„Nöööö, ich nicht, ich schule ja meinen Geist, aber der da …“, sie deutete mit dem Daumen über die Schulter auf Deti, „… der tut ja kaum was für seine Spiritualität, da könnte es schon sein, daß der als Wurm, oder Blutegel wiederkommt …“

Meine Frau und ich konnten nicht anders und brachen in lautes Gelächter aus. Es war zu komisch, sich Deti als Blutegel vorzustellen!

Also, die beiden waren gestern und heute hier und morgen werde ich noch mehr von diesem langen Wochenende erzählen.

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