Martha und Klara sind zwei alte Schwester, die seit dem Tod ihrer Männer zusammen ein Haus bewohnen. Nun sind die beiden Männer schon vor Jahrzehnten verstorben und so haben sich beiden Frauen sehr an ihre Rollen in dieser Frauenpartnerschaft gewöhnt.
Die eine ist mehr für Haus, Hof und Garten zuständig, die andere für Küche, Wäsche und Reinlichkeit.
Martha wartet an der Tür auf mich und hat schon die beiden Bestellzettel in der Hand. Ich erledige das und sehe dabei, wie im Hintergrund Klara mit einem Staubsauger einen Teppichläufer malträtiert.
Der arme Läufer hat kaum noch Flor, ist durch das viele Laufen und Saugen schon ganz fadenscheinig geworden.
Interessanter ist aber Klaras Körperhaltung. Sie saugt tief gebückt, mit krummem Rücken, stöhnend und ächzend und zieht schimpfend den Sauger am Schlauch hinter sich her.
Als ich den beiden Frauen ihre Einkäufe in die getrennten (!) Tiefkühltruhen räume, sehe ich, daß Klara das Teleskoprohr vom Staubsauger gar nicht auseinandergezogen hat.
“Das können Sie länger machen”, sage ich und deute auf das Saugerrohr.
“Was?”
“Läääänger machen!”
Sie schaltet den Sauger ab und schaut mich verständnislos an. Bevor ich jetzt lange erkläre, greife ich an den kleinen Schieber am Rohr und entriegele es, ziehe es in die Länge und sage: “Bitteschön!”
“Ach was? Das geht? Mein Gott, das habe ich gar nicht gewußt! Ich sauge jetzt schon bestimmt sechs Jahre so. Vielen Dank.”
