Schach matt

Es ist Feierabend und ich sitze vor dem Fernseher und trinke ein kaltes Radler. Darauf habe ich mich den ganzen Tag gefreut.
Der Hund kommt, wedelt mit dem Schwanz und ich sehe, daß er irgendetwas zwischen den Zähnen hat.
„Los gib her!“ sage ich und der Hund läuft weg.
Nee, ich habe Feierabend, da laufe ich doch keinem Hund hinterher.
„Kommst Du jetzt her?“
Er kommt nicht, sondern legt sich in ausreichend großer Entfernung hin und lässt das Irgendetwas aus seinem Maul zwischen seine Pfoten fallen, es ist eine Schachfigur,

Um genauer zu sein ist es ein weißer Turm.
Okay, ich bequeme mich und stehe doch auf, nehme dem Hund den Turm weg und der Hund haut ab.
Während ich noch nachdenklich den Turm betrachte, kommt der Hund schon wieder, wedelt mit dem Schwanz und legt mir eine schwarze Dame zu Füßen.

Wo, um alles in der Welt….?

Die Lösung habe ich bald gefunden. Mein Sohn hat sich mein schöne Magnetschachspiel ausgeliehen und es liegt nun in seinem Zimmer auf dem Boden. Die Figuren sind im ganzen Raum verstreut…

Eine Stunde später kommt der Halbwüchsige nach Hause und ich interviewe ihn:

„Sag mal, kannst Du Skat?“

„Nö.“

„Okay, aber Mau-Mau wirst Du doch können, oder?“

„Ja klar.“

„Und? Hast Du eine Ahnung, wieviele Karten man dazu braucht?“

„Ein ganzes Spiel.“

„Ja klar, aber wieviele Karten sind das?“

„Keine Ahnung.“

„Okay, fangen wir es anders herum an. Beim Schach, wieviele Figuren braucht man da?“

„Woher soll ich das wissen?“

„Immerhin liegt mein Schachspiel in Deinem Zimmer.“

„Ach das.“

„Ja das. Und was meinst Du, wieviele Figuren das mal waren?“

„48 oder so.“

„So so, Schach spielt man also mit 48 Figuren?“

„Keine Ahnung, Papa.“

„Wie kommt es denn, daß die Figuren von meinem Schachspiel überall im Haus herumfliegen?“

„Weiß ich nicht. Vielleicht war es der Hund.“

„Okay, Du gehst jetzt nach oben und suchst alle Figuren zusammen, und wehe da fehlt eine.“

Eine Viertelstunde später bringt er mir das zusammengeklappte Schachbrett und ich öffne es, um einen Blick in die innenliegende Lade werfen zu können, wo die Figuren aufbewahrt werden.

„Was ist das denn?“ frage ich und nehme einen gelben Ritter aus der Lade.

„Das? Das ist ein Läufer.“

„Und dieser Cowboy hier?“

„Den nehme ich als Springer, wegen dem Pferd.“

„Aha, und wieviele Figuren sind das jetzt?“

„Papa, ich habe bei Wikipedia nachgeschaut, es müssen 32 sein und es sind genau 32.“

Was soll ich tun? Das Kind hat sich informiert, hat die fehlende Zahl ausgeglichen und vielleicht ist es ja ganz hübsch, mit blauen Schlümpfen und lilafarbenen Dinosauriern Schach zu spielen.

Was soll’s?

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