Schlacke, Detox, Entschlacken ist das Quatsch?

„Ich mache gerade eine Entschlackungskur“, sagte gestern eine Kundin zu mir.
Ich nickte das freundlich ab und wir unterhielten uns über Gesundheit und das Abnehmen.
Später machte ich mir dann Gedanken darüber.

Was ist Schlacke überhaupt?

Nun grundsätzlich ist Schlacke zunächst einmal eine besondere Form der Asche bei Verbrennungsvorgängen. Die Asche wurde über den Punkt hinweg erhitzt, an dem sie entweichen könnte und liegt nun nicht mehr pulvrig, sondern zäh und klumpig vor.
Diese Schlacke fällt beispielsweise bei Hochöfen oder auch bei Kohleöfen an, und muß entsorgt werden.

Wenn also jemand meint, sein Körper müsse einer Entschlackung unterzogen werden, so glaubt er, daß sich auch in seinem Körper irgendwelche Abbauprodukte oder Stoffwechselreste sammeln, die entsorgt werden müssten.
Viele sprechen auch in diesem Zusammenhang von Detox. Das kommt aus dem Englischen und ist die Kurzform von Detoxination und bedeutet so viel wie: Entgiftung.
Das bedeutet, diese Menschen glauben, ihr Stoffwechsel würde nicht richtig funktionieren und es würden im Körper Reste von irgendetwas verbleiben, die auch noch giftig sind.

Produziert auch mein Körper Schlacke?

Im Grunde genommen funktioniert unser Körper so, daß wir Nahrung aufnehmen und diese in Mund, Magen und Darm zerlegen und zersetzen. Unser Körper ist dann in der Lage aus dieser vorbereiteten Nahrung Nährstoffe, Mineralien, Wasser, Vitamine und Fette zu entziehen.
So etwas wie Schlacke ist in diesem Stoffwechselprozeß nach heutigen medizinischen Erkenntnissen nicht vorgesehen und die Wissenschaftler haben auch keinerlei Nachweis dafür gefunden, daß es so etwas gibt.
Es würde sich ja auch die Frage stellen, wo diese Schlacke zwischengelagert werden soll oder wo sie sich im Körper aufhält.

Was sagt denn die Wissenschaft zu Schlacke?

Die Schulmedizin bestreitet gar nicht, dass der Körper mit der Nahrung auch Giftstoffe aufnimmt und dass im Stoffwechsel giftige Zwischen- und Endprodukte anfallen.
Solche Stoffe werden aber, ggf. nach Umwandlungen in der Leber, über Galle und Harn ausgeschieden oder erst gar nicht im Darm aufgenommen.
Solange ein Mensch über gesunde Organe verfügt, erledigt er die Beseitigung solcher überflüssiger Stoffe selbst. Es werden keine unterstützende Maßnahmen für diese Funktionen benötigt.
Störungen bei Entgiftung und Ausscheidung gibt es laut Medizin dann, wenn die betreffenden Stoffe im Blut oder in anderen Geweben in erhöhter Konzentration auftreten.
Das kommt z.B. bei Schädigungen der Leber oder der Nieren vor. Bei Menschen, die sich einer Entschlackung unterziehen, aber üblicherweise nicht.
Mit anderen Worten: Wenn der Arzt im Blutbild keine Auffälligkeiten feststellt, muß man auch nichts machen. In einem normal funktionierenden Körper sammeln sich keine Gifte und erst recht keine Schlacke.

Wo kommt denn der Begriff Schlacke dann her?

In der hinduistischen Ayurveda-Medizin gibt es die Entschlackung unter dem Namen Panchakarma. Dort kennt man Verfahren, die bewirken sollen, daß Unreines aus dem Körper abgeleitet werden soll.
Auch hierfür gibt es keinerlei wissenschaftliche Beweise, weder für die Existenz der abzuleitenden Stoffe, noch für die Wirksamkeit der Ausleitung.
In unseren Breitengraden hat der Arzt Dr. Otto Buchinger diesen Begriff geprägt. Er ist der Erfinder einer Fastenmethode und suchte nach einem Begriff, den die Menschen Anfang des 20. Jahrhunderts verstanden.
Viele glaubten damals, daß Verstopfung beispielsweise zu einer Fäulnis im Körper und zu einer Vergiftung des Menschen führen könnte. Das ist aber wissenschaftlicher Unsinn.

Was behaupten denn die Entschlackungs-Befürworter?

So ganz genau lassen sich die Befürworter dieser Methode über die Stoffe, die als Schlacken bezeichnet werden, nicht aus. Sie sagen auch nicht, wo sich diese Schlacken im Körper befinden. Wenn überhaupt, findet man äußerst widersprüchliche Definitionen, was diese Schlacken sein sollen. Außerdem gibt es die unterschiedlichsten Verfahren, wie man diese aus dem Körper entfernen können soll. Zumeist werden als Entschlackung bestimmte im Rahmen der Alternativmedizin eingesetzte Maßnahmen bezeichnet, die unter dem Begriff ausleitende Verfahren zusammengefasst werden.

Beispiele:

-Schröpfen
-Cantharidenpflaster
-Einläufe
-Schwitzkuren (Sauna)
-Abführmittel (Laxantien)
-Fastenkur

Durch diese Verfahren sollen also Stoffe, von denen man nicht weiß, was sie sein sollen, und von denen man nicht weiß, wo sie sich im Körper aufhalten sollen, mit Methoden, die im Allgemeinen nicht dazu geeignet sind, Schadstoffe aus einem Körper zu entfernen, aus dem Körper ausgeleitet werden.
Ja, einige Verfahren behaupten, auch Quecksilber (beispielsweise von Amalgamzahnfüllungen), Impfstoffe oder andere Stoffe ausleiten zu können.

Gibt es denn so etwas wirklich nicht?

Wie oben erwähnt, bestreitet die Medizin nicht, dass der Körper Giftstoffe aufnimmt und dass giftige Zwischen- und Endprodukte anfallen.
Diese werden aber entweder erst gar nicht vom Körper aufgenommen oder nach der Umwandlung in der Leber wieder ausgeschieden.
Von Störungen der Entgiftung und Ausscheidung ist in der wissenschaftlichen Medizin dann die Rede, wenn die betreffenden Stoffe im Blut oder in anderen Geweben in erhöhter Konzentration auftreten.
Das kommt bei Menschen vor, deren Leber oder Nieren geschädigt sind, das ist aber bei Menschen, die sich einer Entschlackung unterziehen, nicht der Fall.
Die von den Anhängern der Entschlackungslehre manchmal genannten Stoffe sind sie in der normalen Menschen vorliegenden Menge aus wissenschaftlicher Sicht meist unbedenklich.

Aber auch die wissenschaftliche Medizin kennt Krankheiten, die durch Stoffablagerungen im Gewebe verursacht sind. Hierzu gehören z. B. Cholesterin und Kalk bei Arteriosklerose, Uratkristalle bei Gicht oder Proteine bei vielen neurodegenerativen Erkrankungen.
Die Hauptursachen hierfür sind ein ungünstiger Lebensstil und genetische Veranlagung.
Um diese Stoffe im Körper zu bekämpfen gibt es gut wirkende Medikamente. Es ist jedoch überhaupt nicht erkennbar, wie diese Stoffe durch Methoden der Entschlackung ausgeleitet werden sollen.

Wenn man lange fastet, kommt das Gift doch raus

Wenn man fastet, steigt die Schadstoffbelastung des Blutes. Das kommt davon, weil es fettlösliche Fremdstoffe gibt. Diese waren bisher unschädlich im Fettgewebe gespeichert. Beim Fettabbau im Rahmen des Fastens werden sie wieder freigesetzt.
Dabei können übelriechenden Stoffe entstehen, die vom Fastenden abgesondert werden.
Das sind aber keine lange gespeicherten Gifte, sondern Produkte des Hungerstoffwechsels.

Menschen die ausleiten, abführen, entschlacken und fasten fühlen sich subjektiv oft besser und berichten von Heilerfolgen.
Ärzte gehen aber davon aus, daß das nicht die Folge des Ausleitens, sondern der Stoffwechselumstellung ist.
In jedem Fall spielt der Placebo-Effekt eine Rolle, sowie der Irrtum von Ursache und Wirkung bei Beschwerden, die auch ohne jede Behandlung verschwunden wären.

Soll ich entschlacken?

Eine Entschlackungskur bringt aus medizinischer Sicht nicht das, was sie verspricht. Allerdings gehört zu vielen solchen Kuren auch eine Nahrungsumstellung und eine vermehrte Bewegung. Beides kann als sehr positiv für die Gesundheit angesehen werden.
Diese Lebensstilveränderungen können große positive Effekte haben, die aber mit einer Entschlackung nichts zu tun haben.

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