Sind 30 Euro Mindestbestellwert zeitgemäß und zulässig?

Ich habe in einem Forum eine Diskussion entdeckt, da ging es um eure 30 Euro Mindestsumme bei der Erstbestellung.
Die Frage ist, ob das überhaupt noch aktuell ist und ob das überhaupt erlaubt ist. Ihr könnt doch niemanden zwingen, für 30 Euro was zu kaufen.

Ein eventueller Mindestbestellwert bei Bofrost hat überhaupt nicht den Sinn, daß die Kunden für eine bestimmte Summe etwas kaufen.
Um einen Kunden zu gewinnen, würde der Bofrostmann bzw. die Bofrostfrau auch für einen Beutel Spinat kommen.

Der Hintergrund ist der, daß sich die potentiellen Neukunden, um auf z.B. 30 Euro zu kommen, mit dem Katalog beschäftigen müssen. So suchen sie sich nicht nur ein einzelnes Produkt aus, sondern so viele verschiedene, daß sie auf 30 Euro kommen.

Derzeit gibt es eine Aktion, bei der Bofrost-Kunden ihre Nachbarn und Bekannten für Bofrost begeistern können. Dafür erhalten die Kunden einen Einkaufsgutschein in Höhe von 15 Euro, wenn der neue Kunde für wenigsten 45 Euro etwas bestellt.
So kommen manche auf diese 30 Euro (45 minus 15).
Durch solche Mindestbestellsummen erreicht man, daß der Neukunde gleich verschiedene Produkte, vielleicht auch quer durchs Sortiment bestellt.
Er lernt also mehrere Produkt kennen und kann für sich besser entscheiden, ob genügen leckere und hochwertige Produkte dabei waren, die ihn ansprechen.

Bei nur einem einzigen Produkt wäre die Gefahr zu groß, daß er ausgerechnet das Produkt erwischt, das ihm von Bofrost nicht so gut gefällt.
Bei mehreren Produkten werden immer welche dabei sein, die er mag.

Außerdem ist das irgendwo natürlich auch eine Kostenfrage, das Geld für die Werbung muß ja wieder irgendwie reinkommen.
Aber das ist nicht der Hauptaspekt dabei.

Der wichtigste Aspekt ist, daß wir uns als Verkaufsfahrer an der Tür oder in der Küche des Kunden präsentieren können.
Denn wir sind es, die durch unsere Persönlichkeit und unser Auftreten eine Basis dafür schaffen können, daß der Kunde sich gut behandelt fühlt.

Nehmen wir an, der Kunde bestellt sich Lebensmittel über das Internet und erhält einige Tage später seine Ware vom Paketboten.
Einige Produkte schmecken nicht, der Kunde ist nicht zufrieden.
Nun kann er als einziges Ventil die Produkte eben im Onlineportal schlecht bewerten und kauft sie eben nicht mehr. Im schlimmsten Fall kauft er nie wieder dort.

Bei uns ist das anders. Wir kommen nach 3 – 4 Wochen wieder und hören uns dann an, was der Kunde zu sagen hat. Ich beispielsweise gebe gerne Rezepttips, gebe den Kunden sofort einen Ersatz und allein deshalb, weil ihm mal ein Produkt nicht geschmeckt hat, ist mir garantiert noch nie ein Kunde abgesprungen.

Im Übrigen ist der Mindestbestellwert eine imaginäre Größe.
Es ist beispielsweise überhaupt kein Problem, im Onlineshop nur ein einziges Produkt zu bestellen.

Mir ist doch ein Kunde lieber, der ein einzelnes Produkt kauft und dann Stammkunde wird, als jemand, der von Anfang an für 60 Euro kauft und dann nie wieder.

Der Kunde ist König, das sage ich immer wieder.
Wenn der Kunde nur einen Beutel Lauch benötigt, dann bekommt er eben nur diesen Beutel Lauch und alle sind zufrieden.
Das ist unser Service und der Service steht im Vordergrund.
Natürlich hätte der Fahrer gerne bei jedem Kunden einen gewissen Umsatz und auch das Unternehmen sieht das sicher so.
Aber im Vordergrund steht die Kundenzufriedenheit, denn einer, der heute nur einen Beutel Lauch kauft, der kauft beim nächsten Mal vielleicht 10 Produkte.

Ein Ex-Kollege sagte mal am Handy zu einer Kunden: „Au, für eine Marienkäfertorte darf ich gar nicht zu Ihnen fahren, was darf ich Ihnen denn sonst noch mit einpacken?“
So geht es nicht, finde ich.
Im Katalog und auf der Webseite wird kein Kunde mit einem Mindestbestellwert konfrontiert.
Ich weiß aber, daß manche Kundenwerber und Kollegen so etwas sagen, damit z.B. der Neukundenwerber seine Provision bekommt.
Und es ist doch klar, daß kein Kunde für nur 29 Euro bestellt, dann bekommt er eben noch ein Beutelchen Zwiebeln „geschenkt“.

32 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. …wem möchtest Du das verkaufen, glaubst Du – was Du da schreibst?

    Die Wahrheit ist: Es muss Geld verdient werden!
    Dagegen ist nichts zu sagen.

  2. Natürlich glaube ich das.
    Es liegt auch auf der Hand, daß das so stimmt, wie ich es schreibe.

    Das oft angeführte Argument, das würde sich sonst nicht lohnen, wird ja dadurch entkräftet, daß wir sowieso die Tour fahren und überhaupt tagtäglich massenhaft Produkte um die ganze Welt gekarrt werden, bei denen die Transportkosten immens sind.
    Wir fahren Frau Kruse ja auch für einen Beutel Pommes an und tragen den in den fünften Stock.

    Viel cleverer ist doch die Marketingstrategie mit den mehreren Produkten, wie ich es oben schrieb.

  3. Es werden auch Kunden mit weniger als 30€ Erstbestellung beliefert – da muss man nicht dran glauben, es ist einfach so. Im übrigen ist es wirklich so, dass sich neue Kunden möglichst einen Überblick verschaffen sollen. Außerdem, wenn mal was nicht gefällt, greift ja auch die Geschmacksgarantie. Also geht kein Kunde ein Risiko ein.

  4. Über manche Kommentare in Deinem Blog muß ich mich schon wundern.

  5. Lieber Herr Frostmann
    Offiziell gibt es aber bei Bofrost keinen Mindestbestellwert. AUCH nicht bei der Erstbestellung!
    Und , ja ich weiß wovon ich rede denn ich arbeite in der NK Gewinnung!

  6. bofrost* unterliegt keinem Kontrahierungszwang, von daher kann bofrost* einen Mindestumsatzwert festlegen, das ist das eine! Das andere ist, ob der Markt das mitmacht?

    Das ist keine Mutmaßung von mir, am Telefon wird mit dem potentiellen Kunden Tacheles geredet. Da bekommt meine Tante Gerda – nachdem sie einen Katalog erhalten hat – und für rund 20 Euro Warenwert bestellen wollte, gesagt: „Das muss schon etwas mehr sein, das allein können wir nicht liefern.“

    Das Geschäftsmodell von bofrost* ist am „abtauen“, in wesentlichen Teilen muss es sich ändern, sonst bleibt am Schluss nur eine Wasserlache.

  7. Ist der „Überblick“ bei 31 Euro besser, als bei 29 Euro?

  8. Darf ich Deinen Blog in meine Blogroll aufnehmen, so was macht man ja nicht einfach so, ohne zu fragen.

  9. „verarscht“ wirst du sicher nicht, sicherlich ist das nicht der Leitgedanke der Inhaberfamilie ihre Mitarbeiter zu verdummen!

    Eher scheint mir, dass im mittleren Management einige Emporkömmlinge (ehemalige Staubsaugervertreter) sitzen, die ihre Mentalität nicht ablegen können.

  10. Es gibt keinen mindestbestellwert. Die 30 € sind ja nur für die Neukunden-Prämie relevant. Ich sage jedenfalls dem Kunden ganz ehrlich, dass ich mich freuen würde wenn er die 30 € überschreitet weil ich dann auch meine Provision bekomme.

  11. „Otto Normalverbraucher“ ist sein Hemd näher als deine Jacke! Nun ist es so, dass sich der Mensch per se mit freut, wenn er einem anderen Menschen eine Freude machen kann. Diese Freude mag allerdings dann wohl nicht aufkommen, sobald es sein Geld kostet. Der Verbraucher muss einen Vorteil für sich sehen – beim Geld ausgeben! Dein Vorteil (Provision) ist ihm schlicht weg egal.
    Komme dem Kunden nicht mit der Mitleidsmasche! Wenn Du eine Spende möchtest, nehme eine Dose und setze dich in eine Fußgängerzone.

    Du musst dem Kunden das Gefühl geben, dessen Vorteil im Auge zu haben und nicht dein eigenes Einkommen! Natürlich weiß der Kunde, dass du dabei Geld verdienst – aber er will es nicht abgebettelt bekommen. Das will er absolut nicht hören bzw. erleben.

    Du beschädigst das Image von bofrost*. Der Verbraucher muss annehmen in dem Unternehmen werde Lohndrückerei betrieben. Ein solcher Eindruck schädigt, man denke nur an die negativen Presseberichte über Eismann. Der Verbraucher will mit Menschenschinder nichts zu tun haben!

    Ein guter Verkäufer bettelt nicht, er verkauft!!!
    Das beste an deinem Unternehmen ist die Qualität der Ware, Du hast es nicht nötig zu betteln!

  12. Natürlich versuche ich mit Empfehlungen und Aktionen die 30 € zu erreichen. Das funktioniert nicht immer. Allerdings der Erfolg gibt mir recht. Gemeinsam mit einem weiteren Kollegen, der ebenso viele Neukunden im Geschäftsjahr generiert, sind wir Spitzenreiter in der Niederlassung.

  13. …ein Kundin, namens Uwe! Sauber!!! Für wie blöd hälst Du die Welt?

  14. …um welchen Preis, den der Selbstaufgabe und Selbstverleugnung? Das mit dem „Spitzenreiter“ bezweifle ich und stelle es auch in Abrede. Es wird mit einem lachenden Auge verkauft und nicht mit einem Taschentuch in der Hand – für die Tränen.

  15. Ich sehe das nicht als Bettelei. Zumal das mit dem BVL so abgeklärt ist. Ich weiß auch gar nicht wie du auf selbstaufgabe bzw. – Verleugnung kommst. Außerdem gefällt mir dein scharfer und aggressiver schreibstil nicht. Glaubst du etwa du hättest die Weisheit mit löffeln gefressen? Da du ja jetzt weißt das ich verkaufsfahrer bin würde ich gerne wissen was deine Aufgabe ist.

  16. Ich bin auch eine Kundin. Willst du uns jetzt diskriminieren? Hört das denn nie auf?

  17. Letztendlich hat der Neukunde doch den Vorteil von 15€ Mehrwert!
    Wenn er die „Hürde“ 30€ knackt, gibt Ihm sein Verkaufsfahrer noch 15€ oben drauf!!!
    Also wenn der vermeintliche Neukunde „nur“ bei 29€ Einkaufswert steht, wäre es doch rechnerisch logisch nochmal 1,95€ für eine kleine Packung Reibekuchen auszugeben.
    So ist man bei einem Rechnungsbetrag von 30,95€ und bekommt die 15€ on top.
    Bleibt ein Gewinn von 13,05€!!!!!!!!!!!!!!!!!!

  18. Moin!
    Nur was nutzt denn der Gutschein und der ganze Aufwand, wenn der Kunde nur deshalb zum Kunden wurde um ihn (berechtigterweise) auszunutzen. Von 100 Neukunden springen viele eh gleich wieder ab. Zu Teil mit offenen Bemerkungen: “ wollte nur den Gutschein einlösen, will nix mehr“, oder die machen dir ein halbes Jahr lang die Tür nicht auf oder „haben die Truhe noch voll“.
    Da sind mit meine Kunden, die mit 10, 15 oder 22€ starten und die über Service und vor allem Empfehlung langsam aufgebaut werden deutlich lieber.
    Es dauert nun mal bei einigen bis Vertrauen aufgebaut ist.

    :hallo: Stefan

  19. Ich lese erst immer den Shopblogger, dann dich. Klasse, weiter so.

  20. Der Gerhard Carl Rettle ist immer so. Seht es ihm nach – und nehmt ihn einfach nicht ernst. Danke.

  21. Mir kommt der Bofrostmann ehrlich gesagt zu selten. Lieber kleinere Mengen kaufen und dafür jede zwei Wochen.

Lies bitte vor dem Kommentieren meine Kommentar-Spielregeln.