Was verkaufen Sie denn?

© matchka  / pixelio.de

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Komme heute in die Beethovenstraße, parke vor dem Haus einer Kundenfamilie und da kommt eine alte Dame mit so einem Gehwägelchen um die Ecke.
Ich schaue noch kurz, ob ich auch genügend Platz am Gehweg gelassen habe, daß die Frau auch vorbei kommt, paßt.

An der Tür nehme ich den ausgefüllten Bestellzettel in Empfang und komme zum Wagen zurück, da steht die Oma da, wartet auf mich und fragt: „Was verkaufen Sie denn?“

„Ich, ich bin der Bofrostmann, ich verkaufe Tiefkühlkost, Lebensmittel…“

„Ach was, so etwas gibt’s?“

„Ja…“

„Hab‘ ich ja noch nie gehört. Wie heißt das Zeug?“

„Bofrost heißt die Firma“, sage ich und deute auf die Aufschrift am Wagen.

Stumm malt sie mit den Lippen den Namen Bofrost, dann nickt sie und meint: „Und Sie bringen einem das dann nach Hause?“

„Ja“, nicke und bin schon fast soweit, die Dame als Kundin werben zu wollen, da sagt sie: „Schade, daß ich das nicht früher schon gekannt habe, jetzt wohne ich im Heim mit einer anderen Frau in einem Zimmer und werde dort voll verköstigt. Früher, also bis vor fünf Jahren, da hätte ich das gut gebrauchen können.“

Okay, als Kundin fiel die Oma also weg. Sie lächelte zum Abschied und wackelte dann mit ihrer Gehhilfe weg.

Nur: Gibt es wirklich Leute, die Bofrost nicht kennen?
Wo hat die denn gelebt? In einem Erdloch?
Selbst wenn sie bis zur Wende in der ehem. DDR gelebt hat, hätte sie ja bis vor fünf Jahren Zeit gehabt, uns kennen zu lernen. Ist da nie ein Neukundenwerber gewesen? Hat da in der Nachbarschaft überhaupt keiner von uns was bezogen?

Merkwürdig, oder?

12 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Eigentlich sollte BoFrost ja jeder kennen. Bei mir ist auch immer mal wieder nen Werbezettel im Briefkasten und geklingelt wurde bei uns auch schon.

  2. Gerade als älterer Mensch bin ich froh, wenn ich nicht für jeden Artikel zum Supermarkt muss.

  3. Hmm ,der Text lässt sich herrlich lesen und ich Muss schmunzeln und lache, den es ist der „alten Dame “ nachzusehen das sie Bofrost nicht unbedingt kennt ,ja so was gibt es ,gut aber das wir Bofrost kennen und den tollen Service und die tolle Auswahl genießen dürfen deshalb passiert uns das bestimmt mal nicht genauso wie der Dame .

  4. Sucht ihr eigentlich aktuell Fahrer? Dann melde dich doch mal unter meine Mail-Addi. Wär nett.

  5. Och, Leute mit Lücken, die man kaum glauben kann, findet man immer wieder mal.
    „Wie: Sie haben auch samstags auf? Seit wann datten? Echt, schon immer??“
    Und in einer Filiale eines Mitbewerbers war man total baff, dass wir auch Girokonten haben, dabei sind ausgerechnet deren Kunden unsere Lieblings-Beute…

  6. Schöne Geschichte!

    eine alte Dame ( keine Kundin ) erzählte mir einmal das sie verzweifelt versucht habe am Auto etwas zu kaufen, aber der Verkäufer hat partu nicht die Klappen aufgemacht, dieser xxxxxxx !
    „Ich muss doch vorher sehen was ich einkaufe“ !

    Mit dem Katalog konnte sie nix anfangen. Schade.

    mfg Stefan 🙂

  7. Also ich verkaufe gerne auch mal was „über die Straße“. Aber es geht nicht, daß sich Passanten erst einmal die ganze Ware ansehen wollen. Ich würde die Ware nicht zum Betrachten aus der Hand geben und unnötig die Türen auf und zu machen wollte ich auch nicht ein paar Mal hintereinander.. Wenn jetzt einer käme und mal den Beutel mit dem Spinat sehen wollte oder so, das würde ich natürlich machen. Aber ich kann ja auf der Straße keine Vorführung aller Produkte zelebrieren.

    Da würde ich dann auch den Katalog zur Hand nehmen und erst einmal abklopfen, für was die Dame sich interessiert und dann gezielt diese Sachen gerne auch zeigen.
    Aber am Beutel oder Karton kann man die Ware ja auch nicht richtig prüfen. Und aufmachen geht gar nicht.

    Ist schade, dass das bei der alten Dame so ungünstig gelaufen ist. Bei mir wäre sie nicht enttäuscht gewesen.

  8. Hallo Rolf

    has hatte (fast) noch ein HappyEnd
    ich kam mit der Tochter ins Gespräch und die Mutter kaufte doch noch einige male bei mir ein,
    leider starb sie kuze Zeit später…
    🙁 Stefan

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