Warum eigentlich?

„Ihr habt doch immer Pflaumenbirnbeutel gehabt, die hab ich immer bei Euch gekauft!“

„Tut mir wirklich leid, wir haben keine Pflaumenbirnbeutel, aber schauen Sie mal hier, ich könnte Ihnen statt dessen das hier anbieten. Das esse ich auch immer sehr gerne, das ist sehr lecker.“

„Nee, ich will Pflaumenbirnbeutel.“

„Hamwer nich.“

„Gehen ’se doch ma‘ an Ihr’n Wagen und gucken ’se ma‘ ganz genau. Ich hab die doch immer von Euch gekricht.“

Ich kann mich nun wirklich nicht daran erinnern, daß wir jemals Pflaumenbirnbeutel im Sortiment gehabt hätte und im Grunde weiß ich auch gar nicht was das sein soll. Die Kundin beharrt aber darauf, daß sie das immer von mir geliefert bekommen hat und daß es erst drei oder vier Monate her sei, daß ich ihr welche gebracht hätte.

„Die sin‘ jetzt alle und jetzt will ich wieder welche.“

Ich halte ihr den Katalog hin und tippe mit dem Finger auf die verschiedenen Backwaren, doch sie schüttelt jedes Mal nur mit dem Kopf und sagt dann mit richtig störrischem Unterton:

„Pflaumbirnbeutel!“

Ich schaue mir im Computer ihre Bestellhistorie an und sehe, daß die Frau überhaupt keine Backwaren bestellt hat, nicht beim letzten Mal, nicht in den Monaten davor, noch nie!
Fast schon bin ich versucht, ihr zu sagen, daß sie dann leider Pech hat, da starte ich noch einen Versuch:
„Beschreiben Sie doch mal wie das aussieht, was Sie haben wollen.“

„Na, hör’n ’se ma‘, das sind so Beutel.“

„Ja und wie sehen die aus?“

„Da ist was drinne.“

„Hm, ja, gut, und was genau ist da drinne?“

„Na Füllung, ist doch klar.“

„Und die Beutel, sind die aus Blätterteig?“

„Ne, aus Plastik, die schmeißt man doch weg.“

„Aha, da kommen wir der Sache doch schon näher. Und jetzt sagen Sie mir doch bitte mal ganz genau, was da für eine Füllung drin ist.“

„Also ich tu immer Pflaumen innen Topf, ne; und dann ein paar Birnen aus der Dose dazu, ja? Dann mach ich das schön heiß mit ein bißken Wasser. Dann kommt da Zimt dazu, aber nur wenig und dann tu ich einen ausgepackten Kochbeutel dazu.“

„Gut! Und was für ein Beutel ist das? Was ist da drin?“

„Na Gulasch, aber hören’se ma‘ das sag ich doch die ganze Zeit schon!“

„Sie machen also ein paar angeschwitzte Pflaumen und geben ein paar Birnen dazu, dann nehmen Sie unseren Kochbeutel mit Wiener Rindsgulasch, machen den auf und geben den gefrorenen Block aus Soße und Gulasch dazu, richtig?“

„Genau, so macht man Pflaumbirnbeutel.“

„Kein Problem, dann bekommen Sie jetzt Wiener Rindsgulasch von mir.“

„Warum eigentlich nich‘ gleich so?“

Tja, warum eigentlich?

4 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Tolle Geschichte. Trotzdem:
    Den Nerv hätte ich nicht. Zum Glück gibt es aber geduldigere Menschen als mich.

  2. @Choleriker:

    Tolle Geschichte. Trotzdem:
    Den Nerv hätte ich nicht. Zum Glück gibt es aber geduldigere Menschen als mich.

    Schön, dass du hier bist. <3

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