Was ne Woche!

Seit einer Woche habe ich voll das Theater! Meine Frau ist krank und kann derzeit nicht Auto fahren.
Und wenn man eine Familie hat und die Frau eine Auto hat, dann spielt sich das im Laufe der Zeit so ein, daß die Frau die Kinder zu allen möglichen Veranstaltungen fährt.
Zum Training, zum Verein, zum Sport, zur Nachhilfe.
Mama ist die Taxifahrerin für alle in der Familie, außer für mich.

Jetzt ist meine Frau also momentan nicht im Stande, selbst Auto zu fahren.

Kaum war das bis zu den Kindern durchgedrungen, hieß es: „Papa, kannst Du mich mal hierhin fahren oder dorthin?“

„Mooooment!“, habe ich gesagt, „So geht das nicht! Ich fahre den ganzen Tag Auto und komme erst recht spät nach Hause. Ich kann nicht mal eben von der Arbeit weg und Euch durch die Gegend fahren.“

Wozu sie überhaupt Fahrräder hätten, habe ich die Kinder gefragt. Und dann hieß es, es sei ja viel zu kalt, um Rad zu fahren.

„Komisch“, sagte ich, „als ihr vor einem Jahr die Fahrräder wolltet, habt ihr gesagt, ihr würdet dann auch überallhin mit dem Rad fahren, auch bei Wind und Wetter. Und dieses Jahr haben wir noch nicht einmal einen richtigen Winter und schon klagt ihn über die Kälte? Beim Radfahren wird einem warm!“

Ja, aber das Training, das sei nun wirklich zu weit entfernt, argumentierte ein Kind. Da hat es recht. Aber es war dem ja vor zwei Jahren eine Diskussion vorausgegangen.
In deren Verlauf hatte ich der Teilnahme an diesem Training nur zugestimmt, wenn das Kind sich bereit erklärt, selbst dorthin und wieder zurück zu kommen.
„Es kommt nicht in Frage, daß wir dich dann immer fahren müssen!“

„Nein, Papa, ich bin doch schon groß, ich kann das alleine; oder meinst Du, ich bin zu blöd zum Bus fahren?“

Also kommandierte ich letzte Woche die Kinder zum Fahrrad- und Busfahren ab. Ohne Ausnahme und ohne Diskussion.

Und siehe da, wenn man nur hartnäckig genug ist, dann können die das auch und sie machen es dann auch!

Aber trotzdem. Ich weiß ja, dass meine Frau im Haushalt und um das Haus herum sehr viel tut. Das weiß ich zu schätzen.
Doch so einen richtigen Eindruck kann man erst bekommen, wenn man mal eine Woche lang selbst mit ran muß.
Die Wäsche wäscht sich ja nicht von alleine und der Trockner will ja auch befüllt sein.

Glücklicherweise können meine Kinder sich selbst und ihrer Mutter mittags was zu Essen machen.
Aber wenn ich dann nach Hause komme, ist eben noch durchgehend Hausarbeit angesagt.
Macht mir nichts aus, und ich meckere auch nicht.

Nein, vielmehr soll das meine Hochachtung zum Ausdruck bringen, vor dem was meine Frau so alles leistet.

4 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. So sind die Eltern,Kinder verziehen bis zum geht nicht mehr und sich dann wundern wenn die Bande meutert weil das Taxi ausfällt.Unsereiner musste bei wirklich jedem Wetter aufs Rad,Bus fuhr nur einmal am Morgen und einmal gegen Abend,oder wenn Rad kaputt dann eben auf Schusters Rappen.Auf dem platten Land kommen da schon einige Kilometer zusammen aber man bleibt Fit .
    Ach ja das war in den 1980er Jahren und auch die Muttis die daheim waren haben ihrem Nachwuchs bei Bedarf (Regen,Schneefall)erklärt wozu so ein Fahrrad da ist.

  2. @Georg: Schalten Sie auch nächste Woche wieder ein, wenn es wieder heißt „Früher war alles besser!“. Dann unter anderem mit Cliff Huxtable und dem Thema „Fernsehen – warum denn in Farbe?“. Bleiben Sie uns gewogen!

  3. Höh? Du bist doch der Bofrostmann! Kids in die Eisfächer packen und los zum Training oder was auch immer.
    Nach so ner Fahrt ist draußen geradezu allerherrlichstes Fahrradwetter 😀

Lies bitte vor dem Kommentieren meine Kommentar-Spielregeln.