Wenn der Bofrostmann dreimal klingelt

Ich glaube, ich hatte diese Überschrift schon mal verwendet. Aber sie paßt so gut zu dem Thema, das mir heute Abend auf den Fingernägeln brennt.
Mein Kumpel Matze arbeitet mal wieder. Ansonsten ist er ja eigentlich immer mit weltbewegenden und weltverändernden Erfindungen beschäftigt.
Neulich erst wollte er die Welt vom großen Nutzen viereckiger Reifen überzeugen. Davor hatte er sich mit der Frage beschäftigt, wieviele leere Pizzakartons in die Küche einer 53 qm großen Dreizimmerwohnung passen…

Aber jetzt hat ihn der Arbeitsmarkt wieder voll im Griff. Matze arbeitet als Fahrer für ein Unternehmen, das Zahnärzte beliefert. Ich glaube, er bringt Gebisse von einem zahntechnischen Betrieb zu den Ärzten.
Jedenfalls erzählte er mir gestern, daß einer der Ärzte ihm eine SMS geschickt hatte.

"Bitte heute nicht vor 15 Uhr liefern. Bin nicht da!"

Das ist nett von dem Arzt. Denn so erspart er Matze eine unnötige Fahrt. Normalerweise ist diese Praxis nämlich ab 14.30 Uhr wieder offen, an diesem Tag aber eben nicht. Der Herr Doktor hatte wohl etwas anderes zu tun.
Nun will Matze freundlich sein und dem Arzt Bescheid geben, daß er die Message erhalten hat. Also greift Matze gegen 14 Uhr zum Handy und ruft den Arzt an.

„Hallo, hier ist Matthias Sowieso, vielen Dank für Ihre SMS. Ich hab sie bekommen und komme dann um 15 Uhr.“

Eigentlich nett gemeint.
Aber „nett gemeint“ ist die freundliche Schwester von „scheiße gemacht“.
Ehrlich!

Denn der Arzt blökte ins Telefon: „Sie Kretin, was stören Sie mich dann? Es reicht, wenn Sie einfach um 15 Uhr Ihren Krempel abliefern!“

Was ist da schiefgelaufen?

Nun, aus meiner Sicht hat Matze einen Fehler gemacht. Er hat die Kommunikationslinie gewechselt.

Ich sage zu ihm: „Du hättest eventuell eine SMS zurückschicken können. Der Doktor hat doch auch eine SMS geschickt. Er zeigt doch dadurch, daß ihm dieser Kommunikationsweg lieber ist. Vielleicht befindet er sich in einer Besprechung, ist gerade in einem Restaurant zum Essen verabredet oder er beschäftigt sich auf zwischenmenschlicher Ebene mit einer seiner Sprechstundenhilfen.“

„Ja, wie jetzt?“, fragt Matze zurück: „Diese ewige Hin- und Herschreiberei! Mit einem Telefonat hat man doch alles viel schneller geklärt.“

„Ja, das stimmt ja auch. Das predige ich ja auch immer. Wenn es um die Klärung von Sachverhalten geht, ist ein Anruf das Allerbeste. In Sekunden kann man Informationen austauschen. Das ist viel besser, als per SMS hin und her zu schreiben.“

„Na also, was willst Du dann, dann habe ich doch alles richtig gemacht.“

„Nee. Hier ging es doch gar nicht um die Klärung eines Sachverhaltes. Es gab nichts, das zwischen Euch besprochen werden mußte. Der Arzt hat Dir eine Anweisung oder Bitte durchgegeben. Du hast diese empfangen. Nun gibt es zwei Möglichkeiten, dem Arzt mitzuteilen, ob seine Bitte auch erfüllt wird.
1. Du bist einfach um 15 Uhr da. Das hat er so bestellt und Di machst es genau so. Er wird zufrieden sein.
2. Du wählst den gleichen Kommunikationsweg, um ihm kurz zu bestätigen, das alles so gemacht wird, wie er es wünscht. In diesem Fall wäre das eine SMS gewesen.“

„Aber anrufen geht doch schneller“, meinte Matze.

Ich sehe das anders. Hätte der Arzt mit Matze sprechen wollen, hätte er ihn vermutlich angerufen. Da er aber die SMS wählte, besteht die Möglichkeit, daß er gerade nicht telefonieren kann oder will. Also antwortet man auch per SMS.
Hätte der Zahnarzt per WhatsApp geschrieben, hätte Matze auch per WhatsApp antworten sollen.

Warum ist das so?

Wenn jemand eine Nachricht absetzt, erwartet er -wenn überhaupt- die Antwort über genau diesen Kanal.
Deshalb ist es Blödsinn, auf eine Nachricht per WhatsApp mit einer Nachricht über den Facebook-Messenger zu antworten.

Matze guckt mich an und druckst so herum.

„Matze, mit was hältst Du hinterm Berg?“

Naja„, sagt er und wechselt ein paar Mal von einem Fuß auf den anderen: „Dann war es also auch verkehrt, dass ich noch eine SMS und eine WhatsApp hinterher geschickt habe?“

MATZEEEEEE!“

„Der hat mir die Sachen aus der Hand gerissen und mir die Tür vor der Nase zugeknallt.“

„Kein Wunder! Du hast ihn völlig unnötig dreimal hintereinander gestört!“

Man sieht, selbst den Umgang mit so einfachen Kommunikationsmitteln, wie SMS und WhatsApp beherrscht nicht jeder.

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Sehr guter Tipp, leider sehe ich auch öfters, wie Menschen den gleichen Fehler machen, obwohl sie es eigentlich gut meinen.

    Interessant wird die Problematik aber dann, wenn Matze die Terminverschiebung nicht hätte umsetzen können, weil er Folgetermine oder ähnliches hat und demnach ein neuer gemeinsamer Termin notwendig gewesen wäre. Hier könnte man argumentieren, dass in dem Fall ein Rückruf einfacher wäre, um den neuen Termin zu finden. Das hängt aber imho vom Einzelfall ab, wer der Kommunikationspartner ist und wie dringend die Lieferung ist. Einen Arzt würde ich eher nicht direkt stören (per Anruf), sondern notfalls die Sprechstundenhilfe anrufen und es mit ihr besprechen. Alternativ kann man auch auf dem gleichen Kommunikationsweg einen alternativen Termin vorschlagen und um MItteilung bitten, falls dieser bei der Gegenseite nicht in Ordnung geht. So würde ich dieses Problem zumindest lösen.

  2. Kann nur zustimmern, ich schreibe oft per WhatsApp, weil ich oft nicht weiß, wo mein gegenüber gerade ist. In ner Konferenz, im Auto, im Kundengespräch… so kann er es lesen wenn er Zeit hat.

    Auch wenn ich oft höre, warum rufst nich einfach an, ist doch viel einfacher.

    Wenn das Problem komplexer ist uns sich besser am Telefon lösen läßt, erwarte dann eigentlich innerhalb von 15 Minuten den Rückruf oder sonst eine Nachricht im Sinne von: „Bin aus dem Meeting raus, ruf mich mal bis 16 Uhr an“, da bin ich vielleicht wieder nicht erreichbar!

    In unserer modernen Welt ist man sowieso allzeit erreichbar, wieso also jemand zusätzlich stören?

    Das Problem unserer Zeit ist,

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