Werkzeug hat man nie genug

Also, das Ganze ging so los, daß Matze vor geraumer Zeit zu mir kam und mir erzählte, er könne ganz günstig einen Werkzeugkoffer besorgen.
„Ich brauche keinen Werkzeugkoffer“, lautete meine Antwort.
Matze sagte: „Du Dummer! Das ist doch nicht bloß ein Koffer, sondern ein Koffer voller Werkzeug. Da ist alles drin, Zangen, Schraubenschlüssel, alle Größen Nüsse und Steckbits, einfach alles was man so braucht.“

„Ach komm, ich habe schon so viel Werkzeug“, winkte ich ab.

„Aber keinen Drehmomentschlüssel!“

Da hatte Matze Recht; und wo er eben Recht hat, da hat er Recht.

„Nur 50 Euro soll der kosten“, sagte er und hielt mir schon seine ausgestreckte Hand hin.

„Nee, nee, ich will das Ding erst sehen, bevor ich es kaufe – ach ja, und eine Quittung oder sowas; nicht daß der irgendwo vom Lastwagen gefallen ist.“

„Kein Ding“, grinste Matze und verschwand.

Eine Stunde später war er da und präsentierte mir einen der tollsten Werkzeugkoffer, die ich je gesehen hatte. Üppig ausgestattet, alles von bester Qualität und so eine Art Rechnung hatte Matze auch. Doch die lautete über 80 Euro.

„Moment“, wandte ich ein, „vorhin war noch von 50 Euro die Rede.“

Matze winkte ab: „Das ist schon okay, den Rest lege ich drauf und dann machen wir das so, daß wenn ich gelegentlich mal einen Schraubenzieher oder so brauche, dann bekomme ich den geliehen. Deal?“

Der Drehmomentschlüssel lachte mich verführerisch an und ich schlug ein: „Deal!“

So, das war die Vorgeschichte und das alles hat sich vor ungefähr, na laßt mich überlegen, 3 Monaten stattgefunden.

Seitdem ist folgendes passiert:

Ich sitze Sonntags beim Kaffeetrinken, da klingelt mein Handy; es ist Matze: „Du, ich brauch mal ne 8er Stecknuß mit Schlüssel. Aus dem Koffer, Du weißt schon.“

„Jau, komm sie Dir holen!“

„Alles klar.“

Gut, soweit war das ja auch noch kein Problem. So hatten wir das abgesprochen.
Doch schon am darauffolgenden Dienstag, es war ein sehr heißer Dienstag gewesen und ich saß nach Feierabend gerade lang ausgestreckt und mich wohlig räkelnd in der Wanne, da kommt meine Frau ins Bad und sagt: „Matze ist da und will einen Schlitzdübler oder so.“

„Dann soll er ihn sich aus dem Koffer nehmen“, lautete meine Antwort und ich räkelte mich weiter in der Wanne.

Auch das war noch kein Problem, so war es ja abgesprochen.

Dann war es Freitag, es war 23.59 Uhr und ich schlief schon, als das Telefon klingelte.

Matze war am Apparat: „Du, ich brauche ganz dringend zwei große Kreuzschlitzdreher.“

„Komm sie Dir holen“, murmelte ich verschlafen, schlaftrunken und noch halb im Schlaf.
Ich legte auf und erst dann fiel mein Blick auf die Uhr. „Der spinnt“, murmelte ich und stolperte, immer noch von Morpheus umwammert, durchs Haus, um Matze aufzumachen, damit er sich seine Kreuzschlitzdreher holen konnte.

„Sag mal, spinnst Du? Mitten in der Nacht?“ motzte ich Matze an, doch der zuckte nur mit den Schultern und meinte: „Ist doch gerade erst Mitternacht durch, meine Güte, und morgen ist Samstag.“

„Ich brauche meinen Schlaf, Du kannst doch jetzt nicht wegen jedem Mistwerkzeug herkommen, zu jeder Zeit und so.“

Das hätte ich nicht sagen sollen, denn schon am Mittwoch darauf, es war kurz nach 21 Uhr, rief Matze an und meinte: „Du, bring mir mal die Schraubenschlüssel vorbei, bitte.“

„Was?“

„Ja, bring sie mir doch bitte vorbei. Du hast doch selbst gesagt, ich soll nicht wegen jedem Werkzeug kommen. Ich brauche die aber, ich liege quasi bei der Jutta unterm Auto und mach der den Auspuff, jetzt brauche ich die.“

„Nee, ich bringe Dir die Schlüssel bestimmt nicht durch die halbe Stadt.“

„Okay, dann komme ich in Gottes Namen halt doch bei Dir vorbei.“

So hat er es dann auch gemacht und ich machte ihm wieder auf, ging mit ihm in den Keller, wo der Werkzeugkoffer stand und sagte: „Paß auf, wir stellen den jetzt in die Garage, da kannst Du Tag und Nacht von hinten rein, Du weißt ja wo der Schlüssel ist, dann brauchst Du mich nicht immer fragen. Okay?

Matze fand das gut.

Okay, so weit, so gut.

Matze rief wegen des Werkzeugs nicht mehr an, nervte mich nicht mehr und ich ärgerte mich, daß ich nicht schon viel früher auf die Idee mit der Garage gekommen war.

Doch dann kam der gestrige Tag. Ich mußte am Gartenschuppen etwas reparieren, ging in die Garage, um auch das neue Werkzeug aus dem tollen Koffer mal auszuprobieren…

…doch stand da zwar der Koffer, aber er war leer.

Da hat sich Matze also doch tatsächlich das ganze Werkzeug so Stück für Stück geholt und ich guckte in die Röhre.

So ein Sack!

6 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Na also, hast du doch einen Werkzeugkoffer.
    Schlauer Matze.

  2. Ändert nichts an der Tatsache, dass ich von Bofrost masslos enttäuscht war.

  3. Ich glaube du bist ein Troll. Trolle doch woanders weiter.

  4. Gut, daß ihr so viel glutenfreie Sachen habt, das haben andere nicht.

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