Wie lief denn früher bei Euch Weihnachten ab?

Früher als ich noch ein Kind war, da war Weihnachten für mich nach meinem Geburtstag das Allergrößte. Wenn ich Weihnachten sage, dann meine ich das nicht im erzkatholischen Sinne, sondern schon inklusive des Heiligen Abends.
Am Mittag des 24. Dezember wurde die Tür zum Gästezimmer abgeschlossen.

Zuerst mußte ich eine Weile in meinem Zimmer bleiben und spielen oder lesen, denn das “Christkind” durfte nicht gestört werden. Dann durfte ich wenigstens ins Wohnzimmer um im Fernsehen die Sendung “Wir warten aufs Christkind” anschauen zu können.
Die Eltern liefen etliche Male ins Gästezimmer rein und raus, wobei sie immer sorgfältig darauf achteten, daß ich vom Wohnzimmer aus keinen Blick ins Gästezimmer erhaschen konnte.


Gegen 17 Uhr war die Spannung stets auf ein fast unerträgliches Maß gestiegen und wahrscheinlich war ich so aufgeregt, daß auch meine Eltern es nicht mehr ausgehalten haben.
Dann mußte ich wieder in meinem Zimmer warten, der Vater legte die Weihnachtsplatte auf, die er jedes Jahr an Heiligabend auflegte und dann klingelte die Mutter mit einem kleinen Glöckchen.
Die ganze Zeit hatte ich mit den Geschenken, die ich für Vater und Mutter besorgt hatte, aufgeregt abgewartet.

Da war das Klingeln des Glöckchens eine echte Erlösung.
Ich durfte dann ins Gästezimmer, wo alles etwas abgedunkelt worden war und in der rechten Ecke vom Gästezimmer stand ein meist etwas krummer echter Weihnachtsbaum.
Bestückt war er stets mit echten Kerzen, kleinen roten, dünnen in silberfarbenen Klemmhaltern, die an die längsten Äste geklemmt waren. Übrigens: Mutter hatte immer einen Eimer voller Wasser in der andere Ecke des Zimmers stehen, falls der Baum mal angefangen hätte zu brennen.

Aber für den Baum hatte ich da meist gar keinen Blick, vielmehr waren die Augen damit beschäftigt, Art und Umfang der Geschenkverpackungen unterm Baum abzuschätzen. Was davon könnte wohl für mich sein, was für die Mutter und welche Geschenke waren für den Vater?
Doch einfach losrennen und auspacken? Nein, das gab es nicht.

Erst mußte gemeinsam “O Tannenbaum” gesungen werden, dann wünschten wir uns alle gegenseitig Frohe Weihnachten und erst dann, nach endlos dauernden Minuten, durfte man sich gegenseitig die Geschenke überreichen.

Danach gab es dann immer das Weihnachtsessen, was für mich eine Tortur war, denn inzwischen hatte ich ja schon meine Geschenke ausgepackt und hätte viel lieber mit diesen gespielt, als jetzt Vorspeise, Hauptspeise und Nachtisch zu essen.
Außerdem hatte es ja auch genügend Süßigkeiten gegeben.

3 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Eklig war es auch immer wenn irgendeine Verwandte (bei uns eine fürchterlich verschrobene Tante) die Preise der Geschenke gegeneinander aufrechnete. Pfui!

    • @Jupp der Wal:

      Eklig war es auch immer wenn irgendeine Verwandte (bei uns eine fürchterlich verschrobene Tante) die Preise der Geschenke gegeneinander aufrechnete. Pfui!

      Wo warst du so lange?

  2. Dank Grossfamilie war es immer Laut und nervig,kann dem Jahresendfest bis Heute nichts abgewinnen und bin froh wenn der Klimbim vorbei ist

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